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Freitag, 17. April 2015

Und noch mehr Schmerzkontrolle

Liebe Leserinnen und Leser,

vermutlich bedingt durch meine Pollenallergie, hatte ich neulich Kopfschmerzen. Es war kein stechender Schmerz, wie ich ihn ab und an mal habe bei Kopfschmerzen. Wie ich mit solche Art Schmerz umgehe, hatte ich schon an anderer Stelle erklärt. Neulich aber kam mir das Bild von einem Raum in den Sinn, der etwas wie Sand auf dem Boden hatte. Eine größere Fläche, aber flach, kein Schmerz wie zum Beispiel eine Pyramide mit ihren vier Spitzen verursachen würde. Einen Raum mit Sand würde man fegen. Also stellte ich mir genau das vor. Tatsächlich half es und meine Kopfschmerzen verschwanden daraufhin sofort.

Eine andere Methode sah ich eher zufällig in der Mini-Serie „Wolf Hall“. Ein Junge war bei seinem Vater in der Schmiede und hatte sich geschnitten. Der Vater sagte, der Sohn sollte seine Hände so halten, und der Vater zeigte ihm wie. Nämlich Handinnenflächen zu sich gewandt und einen Unterarm über den anderen. Dann sollte der Sohn die Arme so halten und die Hände so in Wasser tauchen. Das Kreuzen der Arme würde das Gehirn verwirren. Eine interessante Methode, wie ich finde. Bei Gelegenheit werde ich sie bestimmt einmal ausprobieren.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Dienstag, 24. März 2015

Alltagshypnose

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt selbst unter Fachleuten immer wieder Diskussionen, was Hypnose ist und was Trance ist. Viele, auch Hypnotherapeuten, reden mit Klienten oder Neulingen davon jemanden „in Hypnose zu versetzen“. Ich selbst stimme eher Milton Erickson zu, der einmal schrieb, dass Trance ein Bewusstseinszustand ist und Hypnose der Weg oder die Methode dort hin. James Tripp wiederum ist bekannt für seine „hypnosis without trance“.

Ich glaube, in einem dürften sich die meisten Leute einig sein: nämlich dass dieser veränderte Bewusstseinszustand, ob wir ihn nun Trance oder Hypnose nennen, ein alltägliches Phänomen darstellt. Für diesen Bewusstseinszustand braucht es nicht einmal zwingend eine zweite Person und nicht unbedingt Worte. Im Folgenden möchte ich ein paar typische Beispiele beschreiben und was für ein Phänomen dahinter stecken.

Ein typisches Beispiel für Amnesie, also Gedächtnisverlust, ist wenn man von einem Ort zu einem anderen fährt und am Ziel angekommen, keine Erinnerung mehr daran hat, wie man dort hin gekommen ist. Ich meine nicht, dass man vergessen hätte, ob man mit dem Auto oder Bus gefahren ist, sondern Details über die Strecke oder Vorkommnisse auf dem Weg. Irrelevante Details werden ausgeblendet.

An einem Arbeitstag bei der Alzheimer Gesellschaft (ausgerechnet dort!) erlebte ich auch einmal, dass mehrere Kollegen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Raum kamen und obwohl nichts und niemand sie unterbrochen hatte in ihrer Handlung, kamen sie rein und stockten sofort mit einem verzweifelten Blick und der Frage: „Was wollte ich hier?“ Oder: „Warum bin ich hier?“ Obwohl die anderen Anwesenden sie nicht unterbrochen haben, hatte etwas oder jemand auf dem Weg sie in ihren ursprünglichen Gedanken gestört, die sie zu diesem Raum geführt hatten. Der ursprüngliche Gedanke war überdeckt von anderen und damit der Grund in den Raum zu kommen vergessen.

Die bereits im vorigen Eintrag erwähnte Augenfixation erfordert unbedingt eine glänzende Scheibe als Fixierpunkt, genau so wenig wie eine pendelnde Taschenuhr. Vor allem Kinder können ganz einfach durch eine brennende Kerze genau so gut in sich versinken. Ich selbst musste einmal bei einem Arzt über drei Stunden im Wartezimmer warten. Zeitschriften waren zwar ausgelegt und ich hatte auch ziemlich sicher ein Buch dabei, aber ich starrte nur auf die Wand gegenüber von mir und hoffte bloß inständig, dass ich noch genug anwesend war und schnell genug reagieren würde, wenn ich endlich einmal aufgerufen würde. Da ich mich bewusst nur wenig später wieder aus diesem Zustand heraus holte, verpasste ich meinen Aufruf tatsächlich nicht. Alles, was ich brauchte war einen Punkt und die Wand hatte nichts besonderes an sich, sie war schlicht weiß. Man wählt nur oft gerne einen leuchtenden oder glitzernden Punkt, weil dieser wohl eben durch die Helligkeit auffällig ist.

Immer wieder kann es auch passieren, dass wir einen blauen Fleck an uns entdecken, aber keine Erinnerung mehr daran haben, uns gestoßen zu haben. Das ist nichts anderes als Schmerzkontrolle, Anästhesie und damit Trance bzw. Hypnose. Das gilt auch für die Möglichkeiten der Schmerzkontrolle, die ich bereits in einem vorigen Eintrag erwähnt hatte, auch wenn ich in diesem Eintrag bewusst auf die Worte Trance und Hypnose verzichtete.

Zwei Phänomene sind bei Kindern sehr typisch und sollten, meiner Meinung nach, weil es sich um Kinder handelt, nicht all zu negativ oder böse gesehen werden. Das eine ist positiv halluzinieren: das heißt etwas zu sehen, was nicht real existiert. So wird beispielsweise immer wieder von Kindern berichtet, die „unsichtbare Freunde“ haben. Eine Umkehrung des Phänomens wäre das negativ Halluzinieren: besonders ärgerlich, wenn man zum Beispiel gerade wegfahren will und seine Hausschlüssel oder Autoschlüssel nicht findet, viele Male einen Tisch nach ihnen absucht und nach vielen vergeblichen Versuchen steht man nun wieder vor dem Tisch und plötzlich sind die Schlüssel ganz offen und deutlich sichtbar auf dem Tisch. Warum haben wir sie vorher nicht gesehen?

Doch das negativ Halluzinieren ist nicht nur beschränkt auf das Sehen. Zum Ärger der Eltern sind Kinder manchmal derart in ihrer Welt versunken, dass sie die Rufe der Eltern gar nicht hören. Das ist nicht unbedingt böswilliges Weghören, sondern kann auch einfach ein Zeichen sein, dass die Kinder so tief versunken sind in ihre Aktivitäten, dass alle Reize, die nicht unmittelbar zur Aktivität gehören ausgeblendet werden. Liebe Eltern: das ist ein normales Phänomen! In diesem Zusammenhang ist bei vermeintlich häufig trotzigen Kindern festzustellen, ob sie sich bewusst verweigern als Verhaltensproblem, Hörprobleme haben oder versunken in ihre Aktivitäten sind und dadurch nicht hören. Die Reformpädagogin Maria Montessori beschrieb das Phänomen von Kindern, die völlig versunken sind und wo andere deutlich laute Kinder diese sie in keiner Weise ablenkten oder störten. Soweit ich weiß hat Montessori dabei nie von Hypnose oder Trance geschrieben oder gesprochen. Wobei ich nur einige Grundprinzipien ihrer Gedanken im Studium kennen lernte. Den Begriff, den Montessori benutzte für diesen konzentrierten Bewusstseinszustand ist „flow“.

Buchliebhaber und Filmfans wissen, wie bei einem guten Buch oder Film sehr schnell Stunden vergehen können, die wie Minuten erscheinen. Zeitverzerrung ist auch ein typisches Trance- bzw. Hypnose-Phänomen. Leider nutzen wir dieses Phänomen oft nicht zu unseren Gunsten aus. Damit verfliegen schöne Momente viel zu schnell und Situationen, die wir am liebsten schnell hinter uns bringen wollen ziehen sich wie Kaugummi. Es gibt Möglichkeiten, die Wahrnehmung zu unseren Gunsten zu manipulieren. Nicht nur, dass uns warm sein kann, wenn es objektiv kalt ist oder umgekehrt, auch unsere Wahrnehmung der Zeit können wir bewusst beeinflussen. Wir müssen nur herausfinden, wie unsere individuelle Zeitwahrnehmung funktioniert und durch welch Faktoren sie beeinflusst wird.

Einer meiner Lieblingsphänomene ist die „Ampel-Trance“, wie ich sie nenne. Eine Reihe Autos steht an der roten Ampel. Alle starren auf die Ampel und wenn die Ampel umspringt ist unweigerlich immer mal auch ein Autofahrer dabei, der nicht umspringt. Das merken wir daran, dass ein Fahrer der hinteren Autos dann ungeduldig hupt. Auch hier ist die bereits erwähnte Augenfixation „Schuld“ daran.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig deutlich machen, dass Trance bzw. Hypnose etwas normales, sogar alltägliches ist. Oft benennen wir es nur nicht mit diesen Begriffen. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen weniger Angst vor den Begriffen und Phänomenen haben, die mit Trance und Hypnose verbunden sind. Leider denken noch heute viele, dass Hypnose etwas mit Kontrollverlust zu tun hat und man damit zum bösen Verbrecher wird oder bei Hypnose-Shows sich völlig lächerlich macht. Hypnose ist weitaus mehr als das. Vor allem ist es etwas völlig normales. Die von mir hier genannten Phänomene sind nur ein paar Beispiele. Vielleicht fallen euch selbst Situationen ein, die ihr erlebt habt. Wenn ihr sie mitteilen wollt, schreibt einen Kommentar. Ich würde mich freuen von euch zu lesen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Freitag, 20. März 2015

Was zur... Hypnose

Liebe Leserinnen und Leser,

Hypnose ist, wenn jemand eine Taschenuhr hin und her schwingt und zählt und auf dich einredet, dann kannst du irgendwann die Augen nicht mehr offen halten und schläfst. Das ist bestenfalls wie sich viele Show-Hypnose vorstellen.

Das hier sollte eigentlich ein Eintrag werden, um einige Hypnose-Menschen vorzustellen, vor allem Hypnotherapeuten, also Leuten, die Hypnose als Therapie anwenden, kombiniert mit ein bisschen Geschichte der Hypnose. Das war für Februar geplant. Wie ihr sehen könnt, habe ich daraufhin im Februar gar nichts geschrieben.

Die Wahrheit ist, dass ich fast keine Ahnung habe über die Geschichte von Hypnose. Ich habe zwei, drei allgemeine Bücher über Hypnose gelesen. Darin stand natürlich auch etwas zur Geschichte und Namen berühmter Leute aus vergangener Zeit. YouTube sei Dank konnte ich einige Hypnotiseure und Hypnotherapeuten in Interviews und bei Demonstrationen oder Seminaren sehen. Doch bis auf Dr. Milton Erickson kenne ich die meisten kaum mehr als mit Namen.

Hinzu kommt, dass ich in den letzten Monaten gemerkt habe, wie ich Dinge, die mir, sagen wir ein halbes Jahr vorher, noch vertraut waren, heute vergessen habe. Inklusive Begriffen, die ich zu der Zeit problemlos hätte erklären oder zumindest verwenden können. Werde ich alt? Oder werde ich wie Sherlock Holmes, der keine Ahnung hat, dass die Erde sich um die Sonne dreht, weil es irrelevant für sein Leben ist?

Hier ist, was ich weiß und euch gerne mitteilen möchte, ohne dass ich (meine) Bücher konsultieren müsste: meine Geschichte der Hypnose. (Geständnis: Ich habe zwar kein Buch benutzt, aber die Daten bei wikipedia nachgeschaut.)

Der Name, der oft genannt wird als quasi der Vater der Hypnose bzw. Hypnotherapie, ist Franz Anton Mesmer (1734-1815). Vor Jahren mochte ich den Schauspieler Alan Rickman sehr. Ich mag ihn noch heute, nur dass ich über aktuellere Projekte und Filme von ihm jetzt nicht mehr so vertraut bin wie vor einigen Jahren. 1994 hat er jedenfalls in dem Film „Mesmer“ eben jenen gespielt. Die Rahmenhandlung des Filmes ist eine Gerichtsverhandlung, der sich Mesmer stellen muss. Die Behandlungsmethoden dieses Arztes sind so ungewöhnlich für seine Zeit, dass er für viele ein Scharlatan sein muss. Deshalb steht er vor Gericht. Ich las später ein paar Bücher über Mesmer, um herauszufinden, was von der Geschichte im Film wirklich passiert war. Ohne es zu wissen, war das wohl meine Einstieg zur Hypnose und Hypnotherapie. Wobei Mesmer das, was er praktizierte nicht Hypnose nannte. Anfangs arbeitete er mit Magneten. In einem Buch las ich die Geschichte, dass er in einer Art Parade dabei war und gebeten wurde zu helfen, da kein anderer Arzt unmittelbar in der Nähe war. Er ließ sich zu der kranken Person führen und stellte erst dort fest, dass er seine Magnete in der Kutsche bei der Parade hatte liegen lassen. Wenn leblose Steine und Magnete helfen konnten und er, Mesmer doch ein warmes Lebewesen voll Energie ist, müsste es doch möglich sein, dass er durch Berührung und Streichen mit den Händen helfen könnte. Er konnte dann tatsächlich helfen, wobei er nach diesem Erlebnis auf die Magnete verzichtete. Er bezeichnete das, was er machte als „animalen Magnetismus“. Heute ist es auch als „Mesmerismus“ bekannt. Sein Name ist sogar zu einem Adjektiv im Englischen geworden als „mesmerising“ (um etwas zu beschreiben, was faszinierend, hypnotisierend ist).

Unabhängig von Mesmer damals, geht auch die chinesische Medizin von einer Energie aus, dem Chi oder Qi. Das Reiki ist bis heute eine praktizierte Methode, bei der die Hände zur Heilung genutzt werden.

Doch Mesmer war nicht ganz der Anfang. Schon die Ägypter und Griechen kannten Schlaftempel. Priester, die zu der Zeit auch als Ärzte fungierten, heilten durch Rieten und indem sie die Kranken in einen heilenden Schlaf versetzten von vielen verschiedenen Krankheiten.

Die Wunderheilungen von Jesus, seinen Jüngern und den frühen Christen dürften größtenteils genau so auf Hypnose zurückzuführen sein. Handauflegungen und Fixierung der Augen (Fixation) z. B. durch eine glänzende Metallscheibe, sind dabei typische Praktiken.

Ein weiterer bekannter Chirurg, den man kennen sollte ist der Schotte James Braid (1795-1860). Auch er beschäftigte sich mit Magnetismus und prägte den Begriff „Neurypnology“ (Neurohypnotismus), also immer noch nicht „Hypnose“ als Begriff. Zur Zeit von Braid steckte die Anästhesie noch in den Kinderschuhen. Sein Buch heißt: Neurypnology; Or, the Rationale of Nervous Sleep Considered in Relation with Animal Magnetism

James Esdaile (1808–1859) wiederum erinnert mich ein wenig an Erickson. Esdaile litt an Asthma und zog von Großbritannien nach Indien, in der Hoffnung, dass ihm das Klima dort besser bekäme. Erickson ließ sich nach einem Fahrradunfall impfen, bekam allerdings von der Impfung einen anaphylaktischen Schock, an dem er fast starb und in dessen Folgen er Allergien entwickelte. Er zog daraufhin nach Phoenix, Arzizona. Es sollte jedenfalls nicht groß wundern, dass Esdailes Buchtitel lautet: Mesmerism in India and Its Practical Application in Surgery and Medicine.

Ein weiterer Arzt, der erwähnt werden sollte ist der Psychiater und Neurologe Hippolyte Bernheim (1840-1919), der sich mit der Wirkung von Suggestionen beschäftigte. Suggestionen sind ein wichtiger Aspekt bei Hypnose und in der Hypnotherapie. Entsprechend war seine Therapieform die „suggestive Therapie“, über die er auch mehrere Bücher schrieb, zum Beispiel: Über die Suggestion und ihre Anwendung in der Therapie.

Der sogenannte russische Wunderheiler Rasputin (1869-1916) hat übrigens auch Hypnose angewendet, vor allem um den Zarensohn zu helfen, wenn er wieder Blutungen hatte. Von Wunderheilungen im Bezug auf den Zarensohn zu sprechen, halte ich allerdings für unangebracht. Denn geheilt hat Rasputin ihn von der Bluterkrankheit (Hämophilie) nicht. Er hat lediglich die Blutungen gestoppt. Mehr über Rasputin in einem späteren Eintrag.

Was viele sicher nicht wissen: bevor Sigmund Freud (1856-1939) seine Psychoanalyse entwickelte, studierte er bei dem Neurologen Jean-Martin Charcot (1825-1893) und wandte Hypnose an. Später wendete er sich von er Hypnose ab. Sicherlich teils, um sich seinen eigenen Ideen und der Psychoanalyse zu widmen. Zum Teil könnte ich mir auch vorstellen, dass ihm Nähe zu Klienten und evtl. diese zu berühren nicht gefiel, wo doch gerade ein Aspekt der Psychoanalyse ist, dass man Abstand hält und so wenig wie möglich eingreift.

Wenn ich ausführlicher schreiben sollte, könnte ich ein Buch schreiben und müsste doch mehr nachschauen. Für heute soll es mit den genannten Personen erst einmal genug sein. Sollten Hypnotiseure und Hypnotherapeuten oder Hypnose-Enthusiasten diesen Eintrag lesen, würde ich mich über ergänzende Namen und Anmerkungen freuen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Dienstag, 30. Dezember 2014

Droge der Wahl

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Bonbon für euch zu Silvester, obwohl die meisten von euch es wahrscheinlich nicht rechtzeitig lesen werden, um Zeit zu haben, sich entsprechend vorzubereiten auf die Feier. Jedenfalls...

“Drug of choice” (wörtlich: Droge der Wahl) wurde von Richard Bandler entwickelt. Die Idee ist, dass unser Körper Empfindungen und Reaktionen erinnert. Tatsächlich sind es nicht die Drogen, die uns in einer bestimmten Weise fühlen und die Welt erleben lassen. Es ist die körperliche Reaktion auf die Droge, die das macht. Also beispielsweise ist es nicht das LSD, dass uns fühlen lässt, wie wir fühlen, sondern unsere körperliche Reaktion auf das LSD.

Natürlich mit dem Namen “Droge der Wahl” verbinden wir als erstes Drogen: LSD oder Alkohol sind die häufigsten, schätze ich. Es kann aber auch helfen, wenn ihr schlafen wollt, ohne Schlaftabletten zu nehmen. Richard Bandler folgend, nimmt man die Tablette, oder was auch immer, einmal und erinnert sich daran und wenn man sich gut genug erinnert, ist das eine Mal nehmen genug, um die Empfindungen nachzuempfinden und zwar so oft man will und es braucht. Ich erinnere mich, dass Bandler davon sprach, dass ihm mehrere Zähne gezogen worden waren und er irgendwelche Medikamente nehmen musste. Angeblich nahm er sie einmal und machte es dann die anderen Male mit der “Droge der Wahl”. Das Gute an der “Droge der Wahl” ist, dass zum Beispiel mit Alkohol, die negativen Neben- oder Nachwirkungen wie Kater, Kopfschmerzen und dergleichen ausbleiben. “Droge der Wahl” bedeutet praktisch: kostenlose Drogen, so viele man will!

Also wie macht man es denn nun? Sagen wir, ihr möchtet betrunken werden. Ihr erinnert euch an eine vergangene Zeit, in der ihr betrunken wart oder zumindest getrunken habt. Wo ist der erste Ort, an dem ihr es in eurem Körper fühlt? Ich vermute, es war euer Mund. Was für ein Gefühl war es? Vielleicht war es ein kühlendes Gefühl in eurem Mund. Wo habt ihr als nächstes etwas gefühlt? Und was für ein Gefühl war es? Nur als Vorschlag: euer Hals? Bauch? Wie ist es mit euren Händen? Euren Füßen? Wie ist es mit eurem Kopf? Geht nun euren Körper durch und erinnert euch an all die Orte in eurem Körper, in der Reihenfolge, in der ihr die Effekte merkt, wenn ihr Alkohol trinkt. Habt ihr sie alle? Geht sie noch einmal durch. Wie immer, geht sie durch, in der Reihenfolge, in der sie für euch passieren. Wiederholt es einige Male und ihr werdet wahrscheinlich recht schnell betrunken sein. Eventuell wollt ihr beim ersten Mal oder bei den ersten Malen, wenn ihr das macht, dafür sitzen. Und passt auf, wenn ihr wieder aufsteht!

Ihr könntet auch einen Anker für Betrunkenheit setzen. Auf diese Art könnt ihr dort nächstes Mal schneller sein und müsst euch nicht explizit hinsetzen und alle Orte in eurem Körper immer wieder durchgehen.

Es gibt ein nettes Video mit dem Magier Derren Brown, wo er es mit diesem Mann macht (englisch):

http://www.youtube.com/watch?v=zryGzTbU49I

Derren ist etwas gemein mit seinem Anker, wenn er ihm in einem unerwarteten Moment eine SMS schickt. Achtet auf den Mann mit dem Turban, der vor dem Mann sitzt. Das ist Derren. Er ist in Kostüm/Verkleidung von einem vorigen Trick, den er vorher in der Show gemacht hat. Es ist also nicht so, dass Derren nur Nachrichten schickt und ihn alleine betrunken lässt. Ein sehr verantwortungsbesuwsster Mann ist er.

Und noch ein Video in dem mit Ankern gearbeitet wird, um die Intensität zu verstärken hier (englisch):

http://www.youtube.com/watch?v=RsqZYezp_38

Die Grundidee davon ist, dass man die Empfindungen vorher hatte und sich an die Reihenfolge erinnert. Aber andere sind der Meinung, dass man nicht selbst betrunken sein musste, um sich betrunken zu machen auf diese Art. Wir alle haben betrunkene Menschen gesehen, entweder im realen Leben oder in Filmen. Wir haben also Vorlagen, auch wenn wir es nicht an uns selbst erlebt haben. Manche sagen, dass das ausreicht. Ich habe das noch nicht getestet.

Möglicherweise möchtet ihr das weiter bringen, als nur die Schlaftabletten los zu werden. Man hat mir nur ein- oder zweimal welche vor Operationen gegeben. Aber ich nehme sonst keine und würde es auch nicht wieder machen, im Anbetracht meines jetzigen Wissens um Hypnose. Sicherlich hat man mir irgendwas zur Beruhigung vor Operationen gegeben. Ihr könnt diese Empfindungen auch wiedererwecken, wenn ihr Schlaftabletten niht gewohnt seid. Ich bin sicher, dass ihr so schnell schlafen werdet. Auch wenn ihr keine Schlaftabletten nehmt. Ich weiß, dass ich sehr schnell auf diese Art schlafen könnte, wenn ich wollte. Allerdings nehme ich, wenn ich Schlafprobleme habe weniger “dramatische”, aber ähnlich effektive Methoden, wie ich bereits in vorigen Einträgen schrieb.

Ihr könntet Schlaftabletten ersetzen, wenn ihr sie regelmäßig nehmt und nicht mehr nehmen wollt. Ideallerweise solltet ihr ohnehin ohne regelmäßig Schlaftabletten zu nehmen schlafen gehen. Sicherlich könnt ihr auch hypnotisch betrunken werden mit dieser Methode. Wie ist es mit ersetzen von Pillen, die euch für sexuelle Funktionsstörungen helfen, mit dieser Methode? Wie ist es, wenn ihr Gewichtsprobleme habt und ihr euch eure eigene “Droge der Wahl” kreiert, um euch damit zu helfen? Oder ein Selbstbewusstsein-Verstärker für schüchterne Menschen? Oder... schreibt eure Ideen, um diese Methode zu nutzen in den Kommentaren. (Lest auch meinen Eintrag Lang lebe Placebo, falls ihr es noch nicht gelesen habt.)

Ihr könntet auch Effekte oder Effekte von verschiedenen Substanzen verbinden und eure eigene kostenlose Droge herstellen! Es ist kostenlos, keine Neben- oder Nachwirkungen. Und ihr könnt sie haben so oft und so lange ihr wollt. Ich habe diese naïve Idee, dass Menschen diese Methode Abhängigen beibringen und die Beschaffungskriminalität und Drogentoten sinken und Drogeneinnahmen sinken. Aber vielleicht ist das nur Wunschdenken von mir. Ich habe nicht mit Abhängigen gearbeitet, ich kenne mich nicht wirklich mit Abhängigkeit aus. Es wäre aber cool, wenn es funktionieren würde.

Seid bitte vorsichtig, wenn ihr diese Methode benutzen wollt, um Medikamente zu ersetzen, die ihr wirklich braucht. Wie zum Beispiel Diabetiker, die regelmäßig Insulin spritzen müssen. Zumindest solltet ihr vorher mit eurem Arzt darüber sprechen. Es gibt gewisse Arzneimittel, die tatsächlich genommen werden und nicht einfach so ersetzt werden sollten. Jedenfalls nicht ohne vorherige Beratung mit einem Arzt.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Mittwoch, 30. April 2014

Lang lebe Placebo!

Liebe Leserinnen und Leser,

das Wort Placebo kommst aus dem Lateinischen und bedeutet "ich werde gefallen", was vor allem Wissenschaftlern tatsächlich gefällt. Denn oft, wenn Medikamente oder die Wirkung von irgendwas getestet wird, geben sie der sogenannten Kontrollgruppe ein Placebo, das äußerlich scheinbar gleiche, aber ohne irgendwelche Wirkstoffe und somit ohne Wirkung. Wenn trotzdem objektiv positive Veränderungen an Versuchspersonen festgestellt werden, spricht man dabei von Placebo-Effekt. Dann ist "irgendetwas" an der Art der Behandlung, was zu positiver Veränderung führt unabhängig vom Wirkstoff, der ja bei Placebo nicht gegeben ist. Soweit ich weiß gibt es noch keine Untersuchungen von Placebo an sich. Es wird immer nur eingesetzt zum Vergleich mit den "richtigen" Stoffen.

In seinem zweiteiligen Programm "Fear and Faith" aus dem Jahr 2012 machte der Zauberer Derren Brown ein spannendes Experiment. Folgende Geschichte war die Grundlage: eine Firma hätte ein Mittel entwickelt, dass im Militär als eine neue Art Wunderwaffe gehandelt würde. Die Soldaten hätten keine Angst mehr und wären völlig furchtlos. Nun sollte das Mittel an einer Gruppe Zivilisten getestet werden und Derren Brown, der bekannte Skeptiker, wollte dies filmisch begleiten, um es als neue Sendung zu veröffentlichen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass der Wirkstoff ein Placebo ist und die Firma ebenfalls nur eine Scheinfirma. Was Derren Brown wirklich testet ist der Placebo-Effekt.

Gegen Ende der Sendung klärt er alle Personen auf, was wirklich passiert ist. In der Zwischenzeit hat bei vielen der Placebo-Effekt eingesetzt mit gutem Erfolg und teils durchaus überraschenden Ergebnissen, wie ich finde. Die ganze Sendung könnt ihr euch auf Youtube ansehen unter folgendem Link: http://www.youtube.com/watch?v=hfDlfhHVvTY (ca. 47 Minuten)

Kapseln sind wirksamer als Pillen und eine Injektion besser als Kapseln, wie Derren Brown sagt. Ich entschloss mich, selbst ein wenig zu experimentieren. Etwas in der Art von Pillen konnte ich so spontan nicht finden, aber Tic Tac schienen mir halbwegs eine gute Kapselform zu haben. Ich kaufte mir eine Packung. Da ich ganz real immer wieder angespannt war in der Zeit, nahm ich immer wieder zwei Tic Tac und redete mir ein, dass sie mich beruhigen würden. Ich lutschte sie, was etwa 10 bis 15 Minuten dauerte und war anschließend wirklich ruhiger. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass der Placebo-Effekt nur greift, wenn die Versuchsperson nicht weiß, dass kein Wirkstoff vorhanden ist. Offenbar ist das nicht der Fall. Ich war mir ja sehr bewusst, dass Tic Tac keine Beruhigungskapseln sind, zumal ich sie in ihrer Originalverpackung nahm. Nun gibt es ja immer verschiedene Sorten. Zumindest Orange und Minze. Was möglicherweise wert wäre zu testen, ob wenn Orange die "Beruhigungskapseln" sind, Minze eine andere Wirkung haben könnten und beide nur ihre jeweils zugesprochene Wirkweise haben. Im Moment habe ich keine Idee und kein Bedürfnis für Minze-Kapseln. Wenn ich den Test doch einmal machen sollte, wisst ihr, wo ihr davon erfahren könnt...

Der zweite Teil von "Fear and Faith" handelt von Derren Browns Experiment, ob er eine Atheistin in einer vorgegebenen Zeit zu einer Gläubigen machen kann. Durch indirekte Hypnose. Ich verrate euch nicht, wie es aus geht. Nur so viel: wie bei allen anderen Programmen, bei denen er größere Experimente macht, klärt er die Frau am Ende der Sendung auf, was wirklich passiert ist und warum.

Hier der Link zum zweiten Teil: http://www.youtube.com/watch?v=LksVbHxLRvY (ca. 47 Minuten)

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 5. August 2013

Schönen guten Morgen!

Liebe Leserinnen und Leser,

wie viele verschiedene Bedeutungen kann die scheinbar simple Aussage von "Schönen guten Morgen!" haben?

Als Bilbo Beutlin dem Zauberer Gandalf in "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" einen schönen guten Morgen wünscht, bekommt er statt einem erwarteten Gegengruß einen Schwall von Interpretierungsmöglichkeiten.

"Wie meint Ihr das? Wünsch Ihr mir einen guten Morgen, oder meint Ihr, das ist ein schöner Morgen, egal was ich wünsche? Oder Ihr wolltet sagen, dass Ihr an diesem Morgen alles schön und gut findet? Oder wolltet Ihr sagen, man müsse an diesem Morgen gut oder schön sein?"

Verwirrung oder Überraschung kann eine Art sein, eine Trance einzuleiten. Zumal Bilbo nicht mit diesen Fragen gerechnet hat. Selbst Schuld, Bilbo. Eine präziese Ausdrucksweise ist sehr wichtig und manchmal bestimmend.

Der gute Bilbo antwortet auf Gandalfs vielen Fragen mit der, wie mir scheint, einzigen Antwort, die Sinn macht: "Alles zugleich, nehme ich an."

Bis zum nächsten Blog,

sarah

Donnerstag, 1. August 2013

Schlank zw-ei: mit Köpfchen

Liebe Leserinnen und Leser,

ihr wollt also schlank werden und habt euch vom Fitness Studio abgemeldet, weil ihr es sowieso nicht braucht. Hier kommt noch ein bisschen Gedankennahrung dazu.

Ich habe einmal gelesen, dass man mit Hypnose am meisten Erfolge hat und es eine der besten Möglichkeiten ist. Keine Ahnung, wie viel von dem, was ich gemacht habe, um schlanker zu in dem Sinne "Hypnose" war oder nicht. Unabhängig davon sehe ich bei Hypnose und erfolgreichen Schlanksein Parallelen. Viele glauben, dass man in Hypnose völlig willenlos wird. Das stimmt nicht. Es gibt neben dem Bewusstsein und Unbewussten eine dritte wichtige Instanz, die oft der "kritische Faktor" genannt wird. Er ist die Verbindung zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten. Das Unbewusste enthält Glaubenssätze und Überzeugungen. Der kritische Faktor prüft neue Informationen mit bereits existierenden Glaubenssätzen und Überzeugungen. Bei Übereinstimmung werden die neuen Informationen weitergeleitet ins Unbewusste, anderenfalls werden sie abgeblockt und bleiben nur im Bewusstsein.

Hypnose gelingt dann, wenn der kritische Faktor herabgesenkt ist. Nur so sind Phänomene wie eine unbewegbare (kataleptische) Hand möglich. Natürlich kann die Person ihre Hand bewegen. Aber in dem Moment sind die Barrieren vom kritischen Faktor so weit gesenkt, dass die Aussagen vom Hypnotiseur, dass die Hand nicht bewegbar wäre und kataleptisch ist, als wahr angenommen. Verstärkt durch einen Kreis von Autosuggestion ("Ich stelle fest, dass ich meine Hand nicht bewegen kann. Also muss es so sein, dass ich sie nicht bewegen kann. Deshalb kann ich sie auch nicht bewegen.") ist die Hand unbeweglich geworden, obwohl sie unter normalen Umständen völlig problemlos und vollständig beweglich wäre.

Der kritische Faktor ist der Grund, warum neue (Neujahrs-)Vorsätze so schwer sind einzuhalten und durzuziehen. Der kritische Faktor findet viel mehr Bestätigungen in alten Verhaltensmustern und Glaubenssätzen. Also werden diese letztlich beibehalten. Also heißt es für das Vorhaben schlank zu sein: ihr müsst tricksen wie ein Hypnotiseur.

Das wichtigste überhaupt ist:

1. Positiv formulieren!

Formuliert eure Vorsätze positiv, zum Ziel hin, was ihr wollt. Denkt daran: wenn ihr negativ formuliert mit "nicht", habt ihr immer noch das Negative im Kopf. Das hilft auf Dauer nicht. Ich warne euch, wenn ihr negativ formuliert, habt ihr einen Elefanten im Kopf und der ist so groß, dass er die ganzen positiven Absichten zerdrückt.

Unser Gehirn arbeitet am besten mit Bildern. Deshalb wird auch immer wieder erzählt, wenn man sich eine Reihe von Dingen merken will, diese zu einer Geschichte zu verbinden. Eine ganze Geschichte finde ich zu kompliziert und umständlich. Besser finde ich mit anderen anderen Methoden zu arbeiten und sich einen Gedächtnispalast aufzubauen. Kennt ihr den Film The Machinist? Christian Bale spielt dort einen Mann, der so geplagt ist von Problemen, die er verdrängt, dass er praktisch nichts mehr isst, massive Schlafprobleme hat und entsprechend aussieht. Bestimmt war es auch für ihn als Schauspieler nicht gesund, so viel abzunehmen für die Rolle. Hier zwei Bilder davon:




Gesund sieht das wirklich nicht aus. Aber es gibt eurem Kopf eindeutige Bilder von dem, was ihr wollt. Passt nur auf, dass ihr bitte, bitte nicht real so weit geht. Es sollten nur Bilder sein, mit denen ihr an eurerem eigenen Ziel arbeitet. So eine Figur zu haben ist krankhaft und auf Dauer höchst schädlich für euch! Trotzdem: übertreibt für die Bilder, die ihr benutzt, ob im Kopf oder die, die ihr euch tatsächlich raussucht als Erinnerung. (Der 10. Doctor aus „Doctor Who“, David Tennant, ist wohl eher eine höchst sympathisches und doch schlankes Vorbild. Wobei wenigstens eine seiner Begleiterinnen, Donna Noble, ihn als „nur ein langer Strich aus Nichts, Alien-Nichts.“ bezeichnete. Recht hat sie.)

2. Findet Bilder (real oder im Kopf), die übertrieben sind, um deutlich zu sein, was ihr wollt.

(Einmal schrieb mich eine im Internet an und wollte, dass ich ihr mit Hypnose helfe für größere Brüste. Ich erzählte ihr, dass ich bei meinem Wunsch schlanker zu sein an Christian Bales Rolle in The Machinist gedacht hatte, um meinem Kopf ein klares, deutliches Bild zu geben und empfahl ihr, das gleiche zu tun. Sie suchte sich also ein Bild von einer Frau mit viel zu großen Brüsten, druckte es aus und nutze das Bild dann. Einige Wochen später schrieb sie mir wieder und berichtete, dass ihre Brüste tatsächlich gewachsen seien. Ich weiß nicht, ob es stimmt, was sie erzählte. Es wirkte auf mich so. Letztlich ist wohl das wichtigste, dass sie zufrieden war und das schien sie mir.)

Manchmal habe ich getrickst und bewusst etwas weitere Kleidung getragen, die nicht so eng anliegt. Das gibt das Gefühl schlank zu sein. Zumindest schlanker als die Kleidung, die bei mehr Gewicht eben enger anliegen würde. Skinny Jeans wiederum sind manchmal ganz angenehm und lassen Oberschenkel nicht ganz so sehr auseinandergehen, wie sie bei weiteren Jeans im Sitzen gehen würden.

Wieder einmal scheint es im Englischen noch extremer, wenn man mit Worten anfängt zu spielen. Gewicht zu verlieren (to lose weight) ist, wenn man es ausspricht dem losen/lockeren Warten (loose wait) sehr ähnlich. Im Englischen frage ich daher gerne: Warten worauf? Aber selbst im Deutschen halte ich den "Gewichtsverlust" als Wunsch für unglücklich gewählt. Niemand verliert gerne etwas. Ich kann euch nicht abnehmen, passende Worte zu wählen. Letzlich bleibt mir nur, darauf hinzuweisen, dass unterschiedliche Worte auch verschiedene Aussagen beinhalten können.

Nicht zu unterschätzen ist auch Unterstützung von außen. Wenn ein Kind dick ist und abnehmen soll, ist es am besten als Familienprojekt. Es hilft dem Kind nicht, wenn die Familie weiterhin Fastfood isst, während das Kind schlank sein soll durch gesunde Ernährung.

Zwei "Tricks", die mir noch heute ab und an helfen sind folgende: oft missdeuten wir Durst als Hunger und essen etwas. Es kann oft hilfreich sein, wenn wir statt dessen erst einmal gut Trinken. Abends kann es außerdem helfen ab einer gewissen Zeit Zähne putzen zu gehen. Danach sollte man ja bekanntlich nichts mehr essen. So trinke ich dann auch nur noch ungesüßten Tee oder Wasser.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Sonntag, 2. Juni 2013

Versuche nicht zu versuchen

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt noch eine Sache, die ich quasi als Vorbereitung thematisieren möchte, bevor ich zu dem Thema komme, von dem ich weiß, dass einige schon gespannt sind, darüber zu lesen.

Ich möchte heute über das Wort "versuchen" bzw. "Versuch" schreiben. Es gibt in Star Wars IV - Eine neue Hoffnung eine Szene, in der Meister Yoda und der junge Luke Skywalker in diesem Moorgebiet sind oder wie auch immer man es bezeichnen soll. Lukes Raumschiff ist dort unter gegangen und Yoda gibt ihm als aufgabe, es nur mit Hilfe der Macht, durch die Kraft seiner Gedanken heraus zu holen. Luke sagt, er wird versuchen. Daraufhin sagt Yoda seinen mittlerweile berühmten Spruch: "Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein versuchen."

Viele wissen, wie ich zu dem Wort "versuchen" stehe. Wer es noch nicht weiß und das Wort "versuchen" in meiner Anwesenheit benutzt, dem richte ich gewöhnlich schöne Grüße von Meister Yoda aus. Manche finden nichts schlimmes an dem Wort. Sie sagen: "Wenn man nicht weiß, ob die Sache funktioniert oder nicht, kann man doch sagen, dass man versucht." Kann man? Entweder funktioniert es oder nicht. Wenn man versucht und es gelingt, hat man es geschafft. Wenn man es versucht und scheitert, ist man gescheitert. Das ist in beiden Fällen eine klarere Position als "versuchen". Ich denke, Meister Yoda hat Recht. Entweder geht die Sache positiv aus oder negativ. Dagegen ist "versuchen" eine unsichere Position zwischen beiden und im Grunde doch unnötig. Sagen wir, jemand ist unsicher ob eine Sache gelingt oder nicht, aus welchen Gründen auch immer. Trotzdem braucht diese Person nicht versuchen. Es wäre gerade wegen der Unsicherheit positiver und besser, mit "Ich mache es." an die Sache zu gehen. Wenn etwas noch nicht ganz in Ordnung ist und es deshalb scheitert, dann scheitert es sowieso. Etwas mehr Selbstbewusstsein bitte! Eine positive Einstellung bringt viel für ein gutes Gelingen.

Etwas zu versuchen bedeutet außerdem Widerstand, dass etwas schwer ist. Ja, etwas neues zu wagen kann schwer sein. Ich bleibe trotzdem dabei: wer mit einer positiven Einstellung an die Sache herangeht, hat bessere Chancen, dass sie gelingt. Und etwas, was zum Scheitern verurteilt ist, wird auch mit der positivsten Einstellung scheitern. Es gibt also keinen Grund, das Scheitern praktisch schon vorwegzunehmen. In letzter Zeit erzähle ich Leuten von dem blauen Elefanten und sage ihnen: "Wenn du negativ denkst, hast du den blauen Elefanten im Kopf und das möchtest du doch nicht, oder?" (Nebenbei: das ist eine Refrainfrage! Siehe vorherigen Blogeintrag.)

Ich habe "versuchen" praktisch aus meinem Wortschatz gestrichen. Es gäbe nur eine einzige Ausnahme, bei der ich das Wort ganz bewusst benutzen würde und wo es höchst effektiv ist. Wenn man möchte, dass etwas nicht gelingt. Vor allem bei Hypnose bietet sich das an. Zum Beispiel wenn der Arm nicht bewegt werden soll, also Katalepsie, könnte ich sagen: "Versuche mit aller Kraft deinen Arm zu bewegen."

Wo wir schon bei Hypnose sind, noch etwas zum Thema Scheitern im Zusammenhang mit Therapie und generall schweren Zielen: eine Therapie bedeutet Arbeit und Rückschläge. Manchmal funktioniert es nicht ganz, wie sich der Therapeut und vor allem der Patient es sich wünschen. Oder auch gute Vorsätze wie schlanker werden, mit dem Rauchen aufzuhören und ähnliches scheinen völlig zerstört beim ersten größeren Essen oder der ersten Zigarette nach einer Phase ohne. Mir persönlich fehlt die Qualifizierung als Therapeutin, daher kann ich keine Therapie anbieten. Ich würde aber jedem Therapeuten ans Herz legen, Rückschläge schon vorwegzunehmen und früh in der Therapie anzusprechen. Paradox? Erst schreibe ich davon, nicht das Wort "versuchen" zu benutzen und jetzt rate ich sogar ausdrücklich dazu, Scheitern bzw. Rückschläge in der Therapie anzusprechen bevor sie passieren? Ja! Unbedingt! Sagen wir, jemand ist depressiv. Es kann immer mal Tage geben, an denen sich die Person schlecht fühlt. Das passiert auch nicht depressiven Menschen. Wenn der Therapeut die Möglichkeit von schlechten Tagen gar nicht anspricht, könnte sich die Person als völligen Versager fühlen. Besser wäre es, die schlechten Tage ausdrücklich anzusprechen und zum Teil des Therapie Prozesses zu erklären: "Sie werden sich ein oder zwei Tage mal schlecht fühlen." Was ist, wenn die Person sich dann einmal schlecht fühlt? Na, dann ist es okay. Der Therapeut hat ja gesagt, ich werde mich ein oder zwei Tage mal schlecht fühlen. Kein Problem. Was, wenn die Therapie beendet wird und der Patient keine Depression mehr hat und keine schlechten Tage hatte? Um so besser! Dann kann die Person stolz sein, weil sie besser ist als sogar der Therapeut offenbar vermutet hatte, der vorausgesagt hat, dass es ein oder zwei schlechte Tage geben würde. Die simple Vorwegnahme schlechter Tage gibt dem ganzen eine andere, ja positivere Sichtweise!

Übrigens sagte der irische Schriftsteller Samuel Beckett über Scheitern folgendes: " Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Try again. Fail again. Fail better.)

Bis zum nächsten Blog,

sarah

Freitag, 17. Mai 2013

Von sollte, sollte nicht und nicht

Liebe Leserinnen und Leser,


warum fällt es einfacher, „sollte nicht“ zu befolgen statt „sollte“? „Sollte nicht so spät nachts online sein.“ Erledigt. Ich bin spät nachts online. „Sollte früh im Bett sein.“ Nicht wirklich. „Sollte weniger süßes essen.“ Eine Tüte Gummibärchen hält bei mir bestenfalls ein paar Tage. "Sollte mehr Obst und Gemüse essen." Ich reagiere allergisch auf einige Obstsorten und meine Meerschweinchen essen mehr Gemüse als ich. (Okay, wir teilen oft durch drei.)


Ich glaube, ein Teil der Frage ist zu beantworten in der Wortwahl. Es ist ähnlich wie, wenn ich euch bitten würde "Denkt jetzt nicht an einen blauen Elefanten." Woran denkt ihr? Ganz schlaue unter euch würden möglicherweise antworten "An einen pinken Elefanten." Ja, ja... Das ist eine harmlose Aufforderung, die alle belächeln. Aber sie ist weniger witzig, wenn dabei etwas passiert. Etwa, wenn die Mutter dem Kind sagt: "Schmeiß das Glas nicht um." Ich kann dafür garantieren, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind das Glas umschmeißt, ziemlich hoch ist.


Manche sagen, dass das passiert, weil wir uns erst ein positives Bild von dem machen müssen, was nicht passieren soll. Damit ihr wisst, woran ihr nicht denken sollt, müsst ihr erst einmal den blauen Elefanten im Kopf haben. Damit das Kind weiß, was es nicht machen soll, hat es erst einmal ein Bild davon im Kopf, wie es das Glas umwirft. Im Fall vom Kind ist das eher unbewusst, anders als beim blauen Elefanten. Trotzdem ist beides im Kopf.


Im Deutschen ist es relativ harmlos soweit. Im Englischen ist das ganze etwas komplizierter. Denn das Englische "not" (nicht), "knot" (Knoten) und "nod" (nicken) ist, wenn man sie ausspricht, in den ersten beiden Fällen gleich und vom "nod" kaum zu unterscheiden. Was hilft ist da lediglich der Gesamtzusammenhang. Für jemanden, der Englisch als Fremdsprache gelernt hat, ist der Prozess, "not", "knot" und "nod" jeweils richtig zu hören möglicherweise bewusster als für jemanden, der Englisch als Muttersprache gelernt hat. In der "richtigen" Situation kann es mir trotzdem passieren, dass ich im Kopf ganz andere Dinge höre oder auch lese, wenn es ein Text ist.


Als Hypnotiseur kann man damit wunderbar spielen. Es gibt so genannte Refrainfragen (englisch: tag question). Die sind im Englischen, meiner Meinung nach, einfacher und schöner einsetzbar. Im Deutschen kommen sie nicht ganz so schön rüber. Dem Aussagesatz wird dabei am Ende eine Frage angehängt. Eine einfache Sache, nicht wahr? Der "Refrain" fällt im Deutschen praktisch weg. Im Englischen ist er aber deutlich. "It's easy, isn't it?" Oder, um einmal den Knoten wieder aufzugreifen: "It's easy, is it not?" Und wie habt ihr auf diese Frage gerade höchst wahrscheinlich reagiert? Mit einem (unbewussten) Nicken? Wunderbar!


Es gibt da noch etwas, was sich Ja-Haltung (yes-set) nennt und wunderbar manipulativ eingesetzt werden kann. Gehen wir davon aus, ich möchte, dass mein Gegenüber eine bestimmte Sache macht oder positiv eingestellt ist zu einer Sache. Das ganze baue ich auf durch eine Reihe von Fragen oder Aussagen, von denen ich weiß, dass die Antwort „ja“ ist oder dass die Person zustimmen wird. Die Person ist also auf „ja“, positiv und Nicken programmiert und stimmt letztlich dann auch der Sache oder Aussage zu, von der ich will, dass die Person zustimmt. Aber: wenn jemand eine Reihe von Fragen stellt und ich alle immer wieder mit „ja“ beantworte, fällt das auf. Dazu braucht man kein Hypnotiseur sein. Man kann das ganze variieren, indem man Fragen negativ formuliert und das Negative bestätigt wird. Beispiel: „Kinder sollten wirklich nicht mit Feuer spielen.“ Ihr stimmt der Aussage zu, aber schüttelt dabei bestätigend den Kopf oder äußert ein „nein“ als Bestätigung. Obwohl ihr „nein“ sagt bzw. den Kopf verneinend schüttelt, seid ihr trotzdem positiv meiner Aussage gegenüber eingestellt und stimmt mir zu.


Bis zum nächsten Blog,


sarah

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Der purpurne Zauberer aus der Wüste

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist ein großer Tag. Ich löse endlich meine Ankündigung ein, über Milton Erickson zu schreiben. Er wurde am 5. Dezember 1901 in Aurum, Nevada geboren. Sein Geburtstag schien mir angemessener statt des Todestages: 25. März 1980 in Phoenix, Arizona.

Erickson wuchs als Kind einer Bauernfamilie auf mit 7 Schwestern und nur 1 Bruder. Erickson ließ sich Zeit, mit dem Sprechen anzufangen als Kind. Seine Mutter nahm es gelassen: "Wenn die Zeit kommt, wird er sprechen." Mit 4 Jahren fing er dann auch an. Er tat sich in der Schule aber erst sehr schwer. Ein Wörterbuch las er nicht, indem er es wenigstens bei dem Anfangsbuchstaben des Wortes, was er suchte aufschlug, sondern er fing tatsächlich bei "a" an und las, bis er bei dem Buchstaben und Wort ankam, was er eigentlich suchte. Das brachte ihm den Spitznamen "Dictionary" (Wörterbuch) ein. Er war Legasteniker.

1919 machte er seinen Abschluss an der Highschool und man fürchtete, dass das das Ende für ihn war. Erickson hatte eine Polioinfektion (Kinderlähmung, seine erste) bekommen, war völlig gelähmt und hörte im Nebenzimmer, wie der Arzt seiner Mutter sagte: "Der Junge wird den Morgen nicht erleben." Erickson fand heraus, dass er ein Auge mit größter Anstrengung kontrolliert bewegen konnte und verbrachte etliche Stunden damit, die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu bekommen und ihr durch Augenbewegungen zu verstehen zu geben, dass er eine Kommode in seinem Zimmer anders gestellt haben wollte. Was er ihr nicht sagen konnte: die Kommode versperrte ihm die Sicht und er wollte nicht sterben, ohne den Sonnenuntergang gesehen zu haben. Er bekam ihn aber nicht ganz mit, denn er war für 3 Tage bewusstlos.

Er musste alles neu lernen. Seine jüngste Schwester war gerade in dem Alter, wo sie selbst laufen lernte, so dass er es sich bei ihr abschauen und dieses Mal bewusst lernen konnte. Erickson selbst bezeichnete die Polioinfektion einmal als "unheimlichen Vorteil". Schon als er krank war und sich nicht bewegen konnte, studierte er seine Familie und andere Anwesende im Haus. Er fand heraus, dass seine Geschwister "ja" sagen, aber "nein" meinen oder auch "nein" sagen, aber "ja" meinen konnten. So sammelte er elementare Erfahrungen in genauer Beobachtung, Ausdruck und Körpersprache. Als er dann wieder halbwegs laufen konnte, wollte er eine Kanu-Tour mit einem Freund machen. Glücklicherweise war seine Familie nicht bei der Abreise dabei, denn kurzfristig sagte der Freund ab. Ich denke nicht, dass seine Familie ihn alleine hätte fahren lassen. Wenn Erickson das Boot umsetzen musste, brauchte er Hilfe. Aber er machte es sich zu einem Experiment der Reise, niemals direkt um Hilfe zu bitten sondern immer Situationen zu schaffen, dass die anderen ihn fragten oder Hilfe anboten. So kam es öfters vor, dass er da saß und Deutsch-Vokabeln für sein Medizinstudium lernte, bis jemand vorbei kam.

Schon als Student interessierte er sich für Hypnose und arbeitete zunächst in Krankenhäusern, in der Psychiatrie. Sein Chef sagte ihm einmal, dass der Gehstock, den Erickson benutzen musste zum Laufen, hilfreich sei und sympathisch machte sowohl bei Patienten als auch Kollegen. Die weiblichen Patientinnen sehen in einem Mann mit Gehstock keine Bedrohung und die männlichen Kollegen keine ernsthafte Konkurrenz. 1947 stürzte er unglücklich mit dem Fahrrad und obwohl er ansonsten gegen Impfungen war, ließ er sich eine Tetanusimpfung geben. Er bekam einen anaphylaktischen Schock, überlebte nur knapp und hatte seither Pollenallergien. Das war auch der Grund, warum er letztlich aufhörte in Krankenhäusern zu arbeiten und nach Phoenix zog, wo das Wüstenklima zumindest angenehmer war, was seine Allergien anging.

1953 kam ein Post-Polio-Syndrom zu seinen Beschwerden. Er arbeitete intensiv mit vielen bekannten Therapeuten zusammen, unter anderem Jay Haley, Gregory Bateson, Margaret Mead. John Grinder und Richard Bandler, die das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) entwickelten, analysierten und nutzten Ericksons hypnotische Sprachmuster. Mein Freund John ist da eine Methode, die ich bereits in anderen Einträgen erwähnte.

Wie man vielleicht schon an meinem, diesen Eintrag hier merkt, gibt es viele Geschichten um Erickson. Selbst wenn ich die nächsten Einträge verwenden würde, um einige dieser Geschichten wieder zu geben, bräuchte es seine Zeit. Erickson war ein genialer Geschichtenerzähler. Aber er erzählte nicht einfach nur so zur Unterhaltung, sondern immer auch um indirekt zu helfen und zu heilen.

Viele Leute früher und heute kennen Erickson vor allem aus seinen späten Jahren, als er halbseitig gelähmt im Rollstuhl saß, schwerhörig war und alles doppelt sah und unter chronischen Schmerzen litt. Es ist beeindruckend in selbst nur auf kurzen youtube Videos zu sehen. Alleine dort merkt man, dass er vor Lebensfreude und Lebensenergie sprühte trotz (oder gerade wegen?) seiner vielen Leiden. Ich denke, seine offensichtlichen körperlichen Probleme machten ihn auch glaubwürdiger vor seinen Patienten. Wem würdet ihr mehr glauben, dass Schmerzkontrolle wirklich möglich ist: wenn ein scheinbar junger, gesunder, dynamischer Arzt euch davon erzählt, oder einem kränklichen älteren Mann im Rollstuhl? ;-)

Das sind nur einige wenige Aspekte aus Ericksons Leben und Wirken. Viele Geschichten und andere Aspekte, die ich weiß und die mir beim Schreiben teilweise auch einfielen, habe ich aus gelassen. Ein einziger Eintrag reicht längst nicht.

Wer einmal mehr über Erickson erfahren möchte, dem empfehle ich wärmstens Sidney Rosens Sammlung von Ericksons Geschichten Die Lehrgeschichten von Milton H. Erickson. Wer einmal einen kleinen Eindruck haben will, wie Erickson mit Schülern umging, dem empfehle ich das 5-Tage-Seminar, das sein Schüler Jeffrey Zeig aufgezeichnet hat. Die schriftliche Fassung ist nachzulesen in Meine Stimme begleitet Sie überallhin. Ein Lehrseminar mit Milton H. Erickson. Wer noch mehr Fragen hat oder Anregungen haben möchte, kann mir gerne schreiben. Für's erste soll es das gewesen sein, euch Erickson vorzustellen. Ich bin sicher, dieser Eintrag hier wird aber nicht der letzte sein, in dem er Erwähnung findet.

Bis zum nächsten Blog,

sarah

Freitag, 28. September 2012

Bauchreden hilft (Teil 2)

Liebe Leserinnen und Leser,

wir waren gestern bei meiner Mutter. Für meine Schwester und mich war es das erste Mal. Ein Freund meiner Eltern, der auch auf der Radtour dabei war, hat uns gefahren. Er und mein Vater haben sie schon öfters auch im Krankenhaus in Frankreich schon gesehen. Ich habe ihr noch nicht gesagt, was ich im letzten Eintrag beschrieben habe, ihr sagen zu wollen. Obwohl ich schon überlegt hatte, was und wie ich es ihr sagen könnte, falls andere mit hören würden und ich nicht ganz so direkt sein wollte, wie ich es mit ihr alleine wäre. Während der Besuchszeit nehmen sich die Ärzte ganz bewusst Zeit, durch die Zimmer zu gehen und auch mit den Angehörigen zu reden. Viel hat die Ärztin nicht gesagt. Die nächsten Schritte sind uns sowieso schon klar und wir müssen im Grunde jetzt nur abwarten. Als die Ärztin da war, erzählte sie, dass meine Mutter recht doll beißen würde, bei der Mundpflege. Verständlich. Wer mag schon gerne, dass jemand einem im Mund "rumfummelt" und der Schlauch zum Atmen ist sicher auch nicht angenehm. Als die Ärztin dann weg war, hätte ich meiner Mutter gerne gesagt, was ich ihr sagen will. Gerade weil die Ärztin von zu beißen gesprochen hat. Nicht, dass das direkt für meine Mutter als glatte Aufforderung dazu aufgefasst werden könnte. Ganz wohl war mir trotzdem nicht dabei, dass solche Worte in ihrer Anwesenheit gefallen sind. Ich glaube nicht, dass man das nicht ganz ganz streng sehen müsste und jetzt jedes Wort dreimal überlegen muss, ehe man es in ihrer Anwesenheit benutzt. Immerhin ist sie noch sehr weit weg und sie haben sie einmal für die Fahrt nach Deutschland und neulich wieder für das Wechseln der Schläuche sediert, alos ihr Beruhigungsmittel gegeben. Ein Teil von mir fragt sich böse, wie sie überhaupt aus dem Koma aufwachen soll, wenn man sie sediert wird. Andererseits sehe ich schon auch, dass es richtig war und nötig ist, das zu machen. Warten wir es ab. Ich frage mich, ob es möglich ist, jemanden aufzuwecken, indem man den eigenen Atemrhythmus anpasst und dann die quasi Führung übernimmt und durch gemeinsames Atmen wach werden könnte. Anpassung der Atmung bzw. dann führend gemeinsam anders zu atmen ist zwar sehr indirekt und wird von der anderen Person oft nicht bewusst wahrgenommen, kann aber sehr viel bewirken und verändern. Das spielt gerade bei Hypnose und Entspannung eine unscheinbare, aber große Rolle. Wenn uns Menschen auch im Alltag sympathisch sind, kann es oft passieren, dass wir im gleichen Rhythmus mit der Person atmen, das Sprechtempo von uns und der anderen Person sich aneinander angleichen und auch andere Aspekte sich angleichen und zusammenspielen. Ich weiß nicht, was für meine Mutter und mich in der Richtung möglich ist. Mein Wissen über Hypnose ist vor allem theoretisch und beschränkt sich sonst eher auf kleinere Spielereien bei mir selbst. Bis auf die beiden erwähnten Versuche mit zwei Freunden, die nicht so gut gelaufen sind. Die Situation mit meiner Mutter wird also wirklich ein Test, so wie die Überschrift im letzten Eintrag schon lautete. Das so zu schreiben hat einen etwas makaberen Beigeschmack für mich, jedenfalls könnte man das so lesen. Test. Als wäre sie eine Versuchsperson, jemand, mit dem man herumspielen könnte. Wir werden sehen, was sich ergibt. (So viel zum Thema: keine regelmäßigen Details...)

Ich glaube, es war Anfang dieser Woche, dass ich meine Fledermaus Gaston von Bochum wieder zu meinen Eltern hier zurück holte. Ich wollte ihn haben, um realer Bauchreden zu üben mit einer Puppe. Außerdem ist er schön weich und warm und damit ein ganz guter Ersatz für die Meerschweinchen, die ich sonst oft abends vor dem Fernseher aus dem Käfig nehme und auf meinem Schoß habe. Bis vor zwei Tagen ging es meinem Vater vom Bauch her überhaupt nicht gut. Ich hatte ihm erst ein großes Herzkissen gegeben, aber er meinte, das passt nicht so gut. Dann neulich hatten wir gemeinsam etwas fern gesehen. Ich hatte mir Gaston auf meinen Bauch gelegt, weil es mir auch nicht ganz gut ging. Mein Vater hatte ihn abgelehnt zu nehmen für seinen Bauch. Dann aber wollte ich in die Küche etwas holen. Normalerweise habe ich früher die Meerschweinchen, die ich dann auf dem Schoß hatte, an meine Eltern abgegeben, damit ich sie nicht mit in die Küche nehmen müsste. Und so gab ich jetzt auch Gaston halb beiläufig an meinen Vater weiter. Er legte ihn sich, die Flügel ausgebreitet, so wie ich vorher, auf seinen Bauch. Einige Zeit später meinte er dann, dass die Fledermaus wirklich gut sei. Die Flügel würden schön warm halten. Bis vorgestern wechselten mein Vater und ich uns dann ab Gaston zu nehmen. Wenn er ihn hatte, nahm ich das Herz dafür. Vorgestern wollte er Gaston dann nicht mehr haben. Nur gestern gab ich Gaston dann wieder etwas beiläufig an meinen Vater ab und sah noch im Weggehen, dass er seine Hand in Gaston steckte. Als ich dann mit einem Joghurt für mich aus der Küche wieder kam, sagte Gaston zu mir, "Hallo. Na, hast du Hunger?" Ich sah, dass die Lippen meines Vaters dabei, ganz "fachmännisch" leicht geöffnet, aber ansonsten tatsächlich unbeweglich waren. Wir mussten beide grinsen.

Bauchreden hilft. Und sei es nur, dass eine Handpuppe umfunktioniert wird als Wärmer für den Bauch. Ein anderer Aspekt ist noch, dass der Kiefer beim Bauchreden entspannt sein muss. Anspannung merkt man sonst nach einiger Zeit im Kiefer. Viele Menschen beißen beim Stress nicht nur sprichwörtlich die Zähne zusammen und haben deshalb auch einen angespannten Kiefer. Ich habe gemerkt, dass ich erst jetzt wieder anfange ruhiger zu sein und spielerischer zu werden und mehr Bauchreden zu trainieren. Anscheinend achte ich gar nicht auf meinen Kiefer, wenn ich angespannt bin. Theoretisch aber könnte Bauchreden helfen gegen Stress, da man ja beim Bauchreden einen entspannten Kiefer braucht. Jetzt, da meine Mutter wieder näher bei uns ist, entspannt sich die Situation für uns alle etwas. Es war schön zu sehen, dass auch bei meinem Vater jetzt ein wenig spielerisches wieder raus kommt und er ein wenig mit Gaston spielen konnte. Dafür, dass er gar keine Ahnung hat und nur immer wieder einige kurze Bauchredner Videos von mir gesehen hat, war ich gestern Abend wirklich positiv überrascht. Allerdings hat "Hallo. Na, hast du Hunger?" auch keine schweren Buchstaben, bei denen wir normalerweise die Lippen bewegen müssten. ;-)

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Donnerstag, 27. September 2012

Der Test(?)

Liebe Leserinnen und Leser,

drei Tage nach meinem Geburtstag, also am 09. September hatte meine Mutter einen schweren Fahrradunfall. Sie war mit meinem Vater und Freunden unterwegs und ist gestürzt. Im Moment befindet sie sich noch im künstlichen Koma, was allerdings normal ist bei schweren Kopfverletzungen und ein übliches Verfahren, sie dann in ein künstliches Koma zu versetzen. Viel mehr kann man im Moment noch nicht sagen und ich möchte auch hier aktuell nicht darüber schreiben. Nicht weil es schlimm wäre, sondern um mir auch zu ersparen, immer wieder Details aktualisieren zu müssen über ihren Zustand.

Ich glaube, in schweren Situationen, Krisen, versuchen die Menschen einen Sinn zu sehen, damit diese schwere Lage nicht völlig "sinnlos" ist. Der Zustand meiner Mutter bringt mich gerade wieder mehr zu Hypnose und Trance. Daher ist der Zustand meiner Mutter hier auch erwähnenswert für mich. Denn ich halte ein Koma für einen ähnlichen Zustand wie eine Trance. (Obwohl "Trance" und "Hypnose" nicht das gleiche ist, können einige von euch vielleicht mehr damit anfangen, wenn ich von Hypnose schreiben würde anstatt Trance.) Ich werde bald über meinen Lieblingstherapeuten Milton Erickson schreiben und in dem Zusammenhang mehr auf Trance, Hypnose und andere damit zusammenhängende Dinge eingehen.) Trance und Koma sind in jedem Fall veränderte Bewusstseinszustände. Beides sind Zustände, in denen wir das, was andere uns sagen, viel weniger gefiltert aufnehmen und einfacher akzeptieren, als im Wachzustand.

Es dauerte ein wenig, bis mir diese Gedanken kamen. Anfangs war sie sowieso in Frankreich, da sie dort unterwegs waren und sie ist erst seit der Nacht vom 17. auf den 18. wieder in Deutschland, in einer Nachbarstadt hier. Daher hätte ich gar nichts machen können, selbst wenn ich gewollt hätte. Und auch jetzt noch kann ich nicht ganz so helfen, wie ich gerne möchte. Denn ich habe seit ein paar Tagen eine Erkältung bekommen. Da meine Mutter noch immer im Koma auf der Intensivstation liegt, möchte ich vermeiden, dass ich sie anstecke.

Hier ist mein Gedanke: Ein Koma ist ein besonderer Bewusstseinszustand, zumindest in Teilen ähnlich einer Trance. Außerdem ist es gut möglich, dass Ärzte, Pfleger und jetzt auch Besucher wie meine Familie und Freunde, möglicherweise entweder direkt meiner Mutter etwas sagen oder auch nur untereinander aber in Anwesenheit meiner Mutter, Worte benutzen, die ihr schaden könnten im Heilungsprozess. Beispielsweise erwähnen, dass sie gelähmt sein könnte oder ähnliches. Ja, die Gefahr ist real da. Aber in ihrem Zustand so etwas zu hören, halte ich für höchst bedenklich. Selbst wenn sie die Dinge um sie herum nicht bewusst mitbekommt, glaube ich, dass sie irgendwie, irgendwo unbewusst schon noch Dinge wahrnimmt.

Ich würde ihr daher gerne sagen, was ich auch anderen Leuten sagen würde, die mit mir mit Hypnose arbeiten wollen, nämlich etwa folgendes: "Manche Leute glauben, du hörst nicht. Aber du hast zwei Ohren, die gut funktionieren und damit hörst du hier viele Dinge, die andere Leute sagen. Entweder reden sie mit dir, oder mit anderen hier im Raum. Ich möchte, dass du nur das im Kopf behältst, was du für richtig und wichtig hältst und dir jetzt hilft. Alles andere kannst du einfach ignorieren und vergessen."

So etwas zu sagen, bevor man mit jemanden mit Hypnose arbeitet, halte ich für wichtig. Denn das gibt der Person die Möglichkeit, die Legitimation(!), dass nicht alles, was ich der Person sage, auch von ihr akzeptiert werden muss. Es kann durchaus sein, dass ich unbewusst oder unwissend Dinge sagen könnte, die der Person so gar nicht passen. Mit diesen wenigen Sätzen kann sie genau diese Dinge dann mit einem guten Gefühl ignorieren, ohne sich schlecht zu fühlen, oder gleich alles, was ich ihnen danach sagen würde komplett abzulehnen, weil ein Teil davon nicht ihren Werten und Vorstellungen entspricht. Ich sehe das daher als wichtigen Schutz auch für meine Mutter jetzt. Gerade jetzt. Selbst wenn sie das alles nicht bewusst mitbekommt und ich ihr etwas in der Art möglicherweise besser noch öfters sage, solange sie weiterhin im Koma ist.

Ich glaube an keinen Gott. Aber das hier beschriebene sind die Gedanken, die mir in den letzten Tagen kamen. Vielleicht eine Art Schubs quasi zurück zu Hypnose. Nachdem ich zwei Freundinnen hypnotisch betrunken machen wollte und es bei einer gar nicht und bei der anderen nur ein bisschen geklappt hat, habe ich Hypnose bei anderen eher aufgegeben. Obwohl ich weiß, dass keiner an diesen misslungenen Versuchen "Schuld" war. Es hat mich trotzdem bedrückt und ich mache mir unfairerweise Vorwürfe und viel zu viele negative Gedanken. Jetzt ist meine neue Chance mit meiner Mutter und ihr wirklich zu helfen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Sonntag, 24. Juni 2012

Sie sind also Bauchredner, haben Sie denn in keiner anderen Branche einen Job gekriegt?

Liebe Leserinnen und Leser,

die Überschrift zum heutigen Blog war, was der Bauchredner Jeff Dunham von einem Reporter über seine Berufswahl hörte. Auf einer Internetseite las ich heute, dass Jeff Dunham es großartig findet, wenn ein 9 Jahre altes Kind ihm sagt, es wolle Bauchredner werden, weil er findet, dass das ein schönes Hobby sei. Wenn jemand mit 28 Jahren ihm sagt, er oder sie wolle Bauchredner werden, fragt er sich dagegen, ob die Person alle anderen möglichen Hobbys eliminiert hat. Er findet es schade, dass das Leben dieser Person an einen Punkt gelangt ist, an dem sie Puppen nimmt und für eine andere Person sprechen lässt. Jeff Dunham, du bist doch selbst jemand, der mit Puppen spielt. Und du liegst falsch.

Mit Jeff Dunham fing für mich das Interesse am Bauchreden an. 2008 oder so sah ich auf youtube etwas von ihm und fand es recht unterhaltsam. Damals schaute ich mir das ganze noch an zur reinen Unterhaltung. Was er da machte oder sogar die Frage "wie", daran dachte ich zu der Zeit überhaupt nicht.

Jetzt im Frühjahr habe ich dann unsere beiden Therapiepuppen für mich entdeckt und damit war Bauchreden für mich interessant. Ich fing an, mir wieder Jeff Dunham Filme anzuschauen. Doch dieses Mal nicht zur Unterhaltung. Das Mädchen der beiden Therapiepuppen nahm ich als erstes. Gleich wurde mir klar, dass diese Art Figuren ungünstig waren für meine Zwecke. Eine Hand kann in jeweils einen Arm gesteckt und damit die Hände genutzt werden und eine Hand kann man in den Kopf stecken, um den Mund zu benutzen. Einen Finger kann man sogar in die Zunge stecken, um diese zu nutzen: zum Zunge rausstrecken zum Beispiel. Im Grunde braucht man also am besten drei Hände. Ich lieh mir Lucy für eine Woche zu Hause aus, um wenigstens irgendwen zu haben. Nachdem sämtliche Art Handpuppen, die ich so auftreiben konnte keinen beweglichen Mund hatten. Wo ist der Witz beim Bauchreden mit einer Puppe ohne beweglichen Mund? Kurze Zeit später nahm ich noch auf der Arbeit den Jungen, Fritzchen. Er war irgendwie ein bisschen anders, obwohl er genau so funktioniert wie Lucy. Ich nutzte ihn mit meiner Kollegin und der derzeitigen Praktikantin. Beide reagierten praktisch sofort auf ihn. Ich dachte mir: "Ich brauche ja fast nicht Bauchreden lernen! Die schauen nicht mich an, sondern ihn!" Ich dachte an einen Begriff aus der Zauberei "misdirection": der Zauberer lenkt deine Aufmerksamkeit auf eine Sache z. B. mit der einen Hand, um mit der anderen etwas heimlich zu machen, damit der Trick funktioniert. Nichts anderes ist Bauchreden. Wenn du scheinbar deine Lippen nicht bewegst und neben dir eine Puppe ist, die ihren Mund bewegt, richtet sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Puppe.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Parallelen zwischen Zauberei, Hypnose und Bauchreden. Es gibt in der Hypnotherapie eine Methode, die sich "mein Freund John Technik" (my friend John technique). Diese Methode ist sehr schön, wenn man unsicher ist, wie der Gesprächspartner auf etwas reagieren wird und man es trotzdem sagen will. Man kann es entweder als Geschichte erzählen, die dem Freund "John" passiert ist, oder wem auch immer. Ähnlich kann man auch Zitate verwenden. Mark Twain sagte einmal: "Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben." Selbst wenn du jetzt nicht zustimmen würdest, was Mark Twain gesagt hat, wärest du nicht sauer auf mich. Ich habe es ja nicht gesagt, sondern Mark Twain. So habe ich also ganz geschickt die mögliche Ablehnung gegenüber dieser Aussage von mich abgelenkt. Eine Bauchrednerpuppe funktioniert genau so. Jeff Dunham kann Achmed, den toten Terroristen sagen lassen: "Schweigt! Ich bring euch um!" und die Reaktion darauf ist ein begeistertes Publikum. Das soll einmal ein echter Terrorist wagen. Die Puppen können frech sein wie sonst was, und kommen damit durch. Sie können Dinge sagen, die ein normaler Mensch nicht so einfach sagen könnte, wenn überhaupt.

Der Bauchredner Ronn Lucas erinnert sich an ein Erlebnis, als ein Zwischenrufer aus dem Publikum sehr nervte. Er ließ eine seiner Figuren den Zwischenrufer zurück nerven. Das ging so weit, dass der Typ aufstand und seine Faust hob, um zu zu schlagen. Aber nicht Ronn, nein. Der Kerl wollte Ronns Figur schlagen! Immerhin war sie es, die ihn zurück genervt hatte! Gibt es ein größeres Kompliment für einen Bauchredner, als dass das Publikum die Figuren für real und lebendig hält?

Jay Johnson ist ein Bauchredner, der in Amerika vor allem Ende der 1970er Jahre bekannt wurde durch die TV Serie "Soap". Dort spielte er, wie es nicht anders zu warten ist, einen Bauchredner mit seiner Figur, Bob. Das besondere an Chuck und Bob ist, dass Bob für fast alle, die mit ihm zu tun hatten, wie eine echte Person behandelt wurde. Bob ließ einfach nichts anderes zu durch sein Verhalten.

Jay Johnson spielte auch in der Serie "Mrs. Columbo" in einer Folge (A Riddle For Puppets) mit. Auch dort spielte er wieder einmal einen Bauchredner. Dort ging er regelmäßig in ein Kinderkrankenhaus, um die Kinder zu unterhalten. Wie wir im Laufe der Geschichte erfahren, hatte er das Bauchreden als kleiner Junge gelernt. Er war damals traurig und hörte Geräusche aus einem Gebäude. Als er eintrat fand er einen Puppenbauer. Der lehrte ihn alles, was er über das Bauchreden wusste und baute ihm schließlich eine eigene Puppe. Der Junge konnte das natürlich nicht mit Geld bezahlen. Der Mann sagte seinem Schüler, er solle ein anderes Kind finden, was genau so traurig war, wie er damals und das Kind und dieses Kind zum Lachen bringen. Das wäre seine Bezahlung.

Eine erfundene Geschichte, sicherlich. Aber eine schöne Motivation zu arbeiten, finde ich. P. T. Barnum war jemand, der einen Zirkus entwickelte, der von allem etwas hatte. Er wollte damit erreichen, dass die Leute, die hin gingen, ihren Spaß hatten, weil sie zumindest eine Sache fanden, die ihnen wirklich gefiel. Barnum sagte jedenfalls einmal: "Die edelste Kunst ist die, andere glücklich zu machen." (Meine freie Übersetzung des Originals, wie ich es neulich gelesen habe: The noblest art is that of making others happy.)

Das ist, was ich machen möchte. Ich möchte nicht Heilpädagogik machen. Für viele bedeutet es ohnehin "heile machen" und nicht von "heilig", dass jeder Mensch etwas besonderes ist so wie er ist. Es gibt für Kinder schon "Klinik-Clowns", Clowns, die in Kinderkrankenhäuser gehen, um die Kinder zu unterhalten. Ich habe auch schon von einer Gruppe Senioren gelesen, die für Senioren zaubern. Ich glaube, ich werde das Bauchreden richtig lernen, um damit den Leuten Freude zu bereiten. Das ist mein Plan. Wenn ich die mein Freund John Methode anwende, brauche ich nicht einmal eine Ausbildung in Hypnotherapie, um mit meinen Puppen und Geschichten zu helfen. Der positive Effekt dann zu helfen und zu heilen kommt dann wie von Zauberhand. :-)

Bis zum nächsten Blog!
sarah

Freitag, 22. Juni 2012

Hallo Welt!

Liebe Leserinnen und Leser,

ich fange heute diesen Blog an, um Gedanken aufzuschreiben, auf interessante Dinge aufmerksam zu machen, auf die ich gestoßen bin oder sonstige Entdeckungen zu verkünden.

1997 fing ich an Geschichten zu schreiben. Mittlerweile schreibe ich diesen Blog hier... ;-)

Etwa 2009 bekam ich Interesse an Zauberei. Als Kind hatte ich schon einen Zauberkasten, aber etwas ernsthafteres entwickelte sich daraus nicht. Während meines Heilpädagogik Studiums kam immer wieder das Gespräch darauf, dass wir auf Körpersprache achten sollten und selbst uns "offen" geben wollten. Aber wie macht man das überhaupt? Oder woher weiß ich, ob Klienten etwas verbergen? Was bedeutet es, wenn sie in einer bestimmten Körperhaltung vor mir sitzen oder einen gewissen Blick haben? Darüber haben wir nie gesprochen. Also begann ich mein Selbststudium. Wenn man heute über Körpersprache liest, stößt man unweigerlich früher oder später auf drei Buchstaben: NLP. Neuro-linguistisches Programmieren. Ich wollte gerne einmal sehen, wie das ganze angewendet wird und was man damit machen kann. Ich weiß nicht mehr genau, was ich tatsächlich eingegeben habe, denn mit nur "nlp" kommt man bei youtube nicht auf das, was mich dann letztlich wieder zur Zauberei gebracht hat. Nämlich ein Video des "psychologischen Illusionisten" (so nennt er sich selbst) Derren Brown. Die Videobeschreibung las sich wie folgt: "The hiest was an experiment hosted by Derren Brown to see if he could get people to rob a bank." Wie bitte? Normale Leute dazu bringen eine Bank auszurauben? Geht das wirklich? Das musste ich sehen! Also sah ich mir die Sendung auf youtube an: http://www.youtube.com/watch?v=GdkivIk1NiY (Teil 1 von 5)

Tja, was soll ich sagen? Die Sendung war interessant und Derren Brown mir sympatisch. Ich sah mir mehr Videos an von ihm, kaufte mir schließlich Tricks of the Mind von ihm. Darin beschreibt er Grundlagen vieler Techniken, die er für seine Tricks benutzt: von Zaubertricks mit Karten und Münzen, über Merkhilfen (Mnemonik) bis hin zu Hypnose.

Hypnose. Wer über NLP liest, kommt zwangsläufig auch zu Hypnose und Hypnotherapie. Immerhin war einer der Vorbilder, die zur Entwicklung von NLP beitrugen der Psychotherapeut Milton Erickson, der nicht nur allgemein höchst kreativ war, sondern auch Hypnose als Therapie anwendete. Im Frühjahr 2011 suchte ich dann einmal bei google nach Online Kursen zu Hypnose und stieß dabei auf Stephen Brooks. Auf seiner Homepage bietet er unter anderem einen kostenlosen, einjährigen Kurs in den theoretischen Grundlagen der Hypnotherapie nach Erickson und NLP an. Kostenlos klingt gut, oder nicht? Kann man dem trauen? Ja! Stephen Brooks ist weltweit anerkannt und sehr gefragt. Zwar hat er Erickson nicht mehr persönlich treffen können, ihn und seine Methoden aber gründlich und eingehend studiert.

Frühjahr 2012. Seit einem Jahr arbeitete ich nun bei der Alzheimer Gesellschaft in Bochum und ich brauchte genau dieses eine Jahr, um zu erkennen, dass 2 Therapiepuppen, die wir bei uns haben, nicht genutzt wurden. Mir wurde klar, dass wenn sie nicht weiter gelangweilt in der Ecke sitzen sollten, ich selbst aktiv werden musste. Die Puppen einfach nehmen, eine Hand im Kopf, um den Mund zu bewegen und gleichzeitig den eigenen Mund bewegen, um für die Puppen zu sprechen? Es geht. Es ist einfach. Zu einfach. Warum für die Puppen sprechen, wenn man sie für sich selbst sprechen lassen kann? Durch Bauchreden. Wie ich das lerne und lernte und meine Gedanken dazu im nächsten Blog...

Bis zum nächsten Blog!
sarah