Donnerstag, 30. April 2015

M&M: Nell

M&M: Nell

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Film aus dem Jahr 1994 versorgt ein junger Mann eine einsam lebende Frau im Wald, indem er zu ihr fährt und Lebensmittel vor ihrer Hütte abgibt. Doch ganz so einfach ist es nicht. Er hört Wehklagen und als er vorsichtig in die Hütte geht, liegt eine Frau, scheinbar tot auf dem Boden. Außerdem liegen Blumen auf und um den Körper. Als ob jemand die Frau so hergerichtet hätte. Lebte die Frau doch nicht alleine? Der Arzt der Stadt, Jerome „Jerry“ Lovell (Liam Neeson) wird vom Sheriff (Nick Searcy) geholt. Sie finden schließlich eine junge Frau, die sich als Nell (Jodie Foster), die bisher unbekannte Tochter der toten Frau herausstellt. Nell spricht nur eine unbekannte eigene Sprache.

Für Jerry ist Nell faszinierend. Ist sie doch völlig abseits der Zivilisation aufgewachsen und kann trotzdem scheinbar ihr Leben ganz selbstständig organisieren. Paula Olsen (Natasha Richardson), eine junge Psychologiestudentin, sieht eher die wissenschaftliche Seite an der Sache. Sie möchte Nell am liebsten in die Klinik bringen, um sie und ihre Sprache dort genauer untersuchen zu können. Für das Gericht wiederum ist die größte Frage dabei, ob Nell selbstständig leben kann oder auf Hilfe und/oder Unterstützung angewiesen ist.

Schließlich wird entschieden, dass Nell vorerst bleiben kann, wo sie ist und Jerry und Paula richten sich im Wald ein. Anfangs tun sie dies unabhängig von einander, aber kommen im Umgang und der Erforschung von Nell nicht nur dieser, sondern auch sich gegenseitig näher.

Es wird klar, dass Nell nicht ewig unentdeckt und isoliert bleiben wird. Also ist es an der Zeit, Nell die Zivilisation, die Stadt, zu zeigen. Ein Abenteuer für alle Beteiligten. Dann werden tatsächlich die Medien aufmerksam auf Nell und so muss spontan und schnell entschieden werden, was weiter passieren soll. Schon kurz nach diesem für Nell einschneidenden Erlebnis steht auch noch die zweite Gerichtsverhandlung an, in der endgültig entschieden werden soll, wie es um Nell steht und wie und wo sie weiter leben soll.

„Nell“ gehört nicht zu den besten Filmen. Das Ende ist, obwohl sicher wünschenswert, im Grunde ein „Hollywood-Ende“ und so kitschig wie schlicht unlogisches Ende. Sieht man das Verhalten von Nell insgesamt bis zur Gerichtsverhandlung, aber besonders auch wie sie auf die Stadt bei ihrem Besuch reagiert und dann noch das Schock-Erlebnis, als die Medien sie entdecken, so kann ich ihr Verhalten bei der Gerichtsverhandlung nicht anders als „unlogisch“ bezeichnen. Der Film bedient Klischees, vom „wilden, schönen“ Leben außerhalb der Stadt, über recht „film-typische“ Psychologen bis hin zum Hollywood-Happy-End. Warum ich den Film trotzdem immer wieder mal gerne schaue und hier nun beschreibe? Zum einen Weil es schon auch schön für mich ist, ein wenig mit Nell im Wald zu sein und die Aufnahmen der schönen Landschaft und Gegend zu genießen. Außerdem mag ich sowohl Natasha Richardson und Liam Neeson gerne zusehen, wie sie erst so grundverschieden sind und sich dann doch näher kommen. Jodie Foster haben einige Leute vorgeworfen, dass sie zu sehr spielt und Nell sehr gekünstelt wirkt. Auf mich wirkt sie, mit Ausnahme der unmöglichen Gerichtsverhandlung am Ende, durchaus überzeugend.

Ein Grund, warum ich mir den Film in den letzten Jahren nicht mehr angesehen habe, ist die Tatsache, dass Natasha Richardson, die übrigens später im realen Leben Liam Neesons Frau wurde, im März 2009 einen Ski-Unfall hatte. Es schien ihr zwar zunächst gut zu gehen, doch letztlich starb sie an einer inneren Kopfverletzung am 18. März. Das ist der einzige Film, den ich mit ihr habe und ich glaube, es ist auch der einzige gemeinsam mit ihrem (wenn auch zu dem Zeitpunkt noch-nicht-)Ehemann.

Das Buch zum Film geht, wie eigentlich fast immer bei Büchern, etwas tiefer mit den Hintergründen der einzelnen Charaktere. Ist ganz nett zu lesen, wenn man den Film mag. Für die tollen Bilder empfehle ich, trotz allem, doch eher den Film. 

Wer gerne insgesamt eher ruhige Filmmusik mag, dem könnte der Soundtrack von Mark Isham zum Film gefallen. Mir zumindest gefällt er gut. Ich höre ihn zwar nicht mehr oft, weil ich nicht so oft daran denke, aber genieße ihn jedes Mal, wenn ich ihn höre.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

(amazon Links Reihenfolge: DVD, Soundtrack, Buch)

  

Sonntag, 26. April 2015

The End: Löwenzahngelee Teil 2

Liebe Leserinnen und Leser,

„this is the end, beautiful friend“, wie Jim Morrison mit The Doors damals sang. Doch das Ende einer Sache, ist auch der Anfang einer anderen, in diesem Fall: das Ende vom Kochen und der Anfang von richtig leckerem süß-herben Gelee.

Mit etwas Verspätung nun der letzte Schritt zum Gelee. Für den letzten Schritt nehmt ihr ein Sieb und schüttet den Sud in einen Messbecher. Ihr braucht nämlich nur etwa 750 ml davon und die Blüten nicht mehr. Ich habe es relativ einfach: mit zwei Meerschweinchen als Mitbewohner, habe ich die Blüten den Meerschweinchen zum Fressen gegeben.

Das Rezept sieht 2 EL Zitrone vor. Ich habe es bisher immer so gemacht, dass ich die Zitrone geteilt habe und eine Hälfte über dem Kochtopf mit der Hand ausgedrückt habe. So genau nehme ich es hier nicht mit den Angaben.

  1. 750 ml vom Sud abmessen und wieder in den Kochtopf geben, zusammen mit dem Gelierzucker und etwas Saft einer Zitrone. 4 Minuten kochen, dann sofort in Gläser füllen. Mit dem Deckel verschließen.

Bei den amerikanischen Youtube Videos habe ich gesehen, dass die Deckel anders sind als bei uns hier. In Amerika scheint es auch üblich, die Gläser und Deckel zu desinfizieren durch ein heißes Wasserbad. Mir selbst reicht es, wenn sie sauber gespült wurden.

Manche wollen, dass man das Gelee oder die Marmelade in heiß ausgespülte Gläser füllt. Manchmal soll man die Gläser auch einige Zeit auf den Kopf stellen.

Macht es, wie ihr es gewohnt seid, wenn ihr Marmelade macht bzw. so wie ihr euch wohl und sicher fühlt, wenn ihr ängstlich seid, dass Keime in die Gläser gelangen könnten. Mir persönlich reicht es, die Gläser mit Spülmittel und Wasser sauber gemacht zu haben. Ich stelle meine Gläser auch nicht auf den Kopf.

Allgemein heißt es, dass selbst gemachte Marmelade bzw. Gelees etwa ein Jahr haltbar sind. Keine Panik, wenn ihr sie jetzt im April macht und erst im Mai nächsten Jahres esst. Das dürfte auch noch völlig in Ordnung sein. Wenn das Gelee noch gut aussieht und riecht, dürfte es durchaus noch über ein Jahr essbar sein.

Wie ihr seht, ist das Rezept wirklich einfach. Fast das Aufwändigste überhaupt ist das Pflücken der Blüten. Ihr müsst wirklich aufpassen, dass die Stiele kurz genug sind. Mein Gelee jetzt schmeckt etwas bitter, weil ich in meiner Freude über den Löwenzahn doch zu viele Stiel Anteile im Sud hatte. (Vielleicht also doch besser 200 Blüten sammeln und das Gelbe zupfen.) Damit ist das Gelee nicht ungenießbar oder sogar giftig. Es schmeckt nur etwas mehr nach bitterer Orangenmarmelade. Die Bitterstoffe sind nicht gefährlich. Gerade sie helfen zum Beispiel im Tee wenn man Verdauungsprobleme hat. Mehr dazu im nächsten Eintrag. Dort schreibe ich euch noch von einigen anderen Möglichkeiten, wie ihr andere Teile vom Löwenzahn verwenden könnt bzw. wozu auch die Blüten noch genutzt werden können. Auch was ihr beim Tee beachten müsst. Löwenzahn ist vielfältiger als die meisten von uns ahnen und sehr gesund!

Frohes Kochen und guten Appetit mit dem Gelee!

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Donnerstag, 23. April 2015

Löwenzahnalarm... oder Löwenzahngelee Teil 1

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich ist es wieder so weit: der Löwenzahn blüht im Gemeinschaftsgarten bei uns. Zeit für mich, wieder Löwenzahn zu sammeln. Ich hätte nie gedacht, dass ich so gierig auf Löwenzahn wäre. Das Gelee ist aber wirklich gut und total einfach gemacht. Zumindest nach dem Rezept, wie ich es mache. Übrigens mag mein Vater eigentlich kein Gelee, weil Gelee so leicht vom Brot fällt. Dieses Gelee hat ihm dann doch sehr geschmeckt. Ich schreibe euch hier das Rezept, wie ich es mache. Andere Varianten sind natürlich möglich. Die werde ich euch noch schreiben. Erst mein Rezept mit Kommentaren. Es besteht nur aus zwei Schritten, wenn man vom Pflücken der Blüten absieht:

Zutaten:
150 g Löwenzahnblüten (oder besser 200 Blüten und nur das Gelbe nehmen)
1 Liter Wasser
2 EL Zitronensaft
500 g Gelierzucker (ich selbst nehme 2:1)

Die Blüten sammelt ihr am besten gegen Mittag, wenn sie in voller Blüte stehen. Geschlossene Blüten haben nicht ganz so viel Aroma wie die offenen. Deshalb ist auch zu empfehlen, dass ihr möglichst die Blüten gleich verarbeitet oder maximal für eine Nacht liegen lasst. Auch getrocknete Blüten schließen sich. Außerdem solltet ihr idealerweise in eurem eigenen Garten sammeln oder zumindest so weit wie möglich entfernt von Abgasen, frei von Pestiziden und Hundehaufen und ähnlichem. Kinder oder Enkelkinder lassen sich bestimmt gut und gerne zum Sammeln animieren.

Am einfachsten nimmt man die Blüten entweder von oben, umschließt unten mit den Fingerspitzen die Blüte und zieht. Alternativ kann man auch, Handinnenfläche nach oben, die Blüte unten zwischen Zeigefinger und Mittelfinger nehmen und nach oben ziehen. Beide Methoden trennen einfach die meisten Blüten schon knapp vom Stiel ab. Trotzdem unbedingt kontrollieren, ob alles so kurz wie möglich ist. Sonst wird das Gelee doch bitter, was untypisch wäre und von zu viel Stielen und Bitterstoffen zeugt. Oder ihr sammelt 200 Blüten und zupft dann das Gelbe raus. Was auch kein großer Aufwand ist, außerdem sind dadurch die Bitterstoffe garantiert nicht im Gelee.

Wenn man die Blüten dann hat, geht es an den ersten Schritt:

1. Die Blüten in einen Topf geben und mit dem Wasser zum Kochen bringen. Dann ca. 5 Minuten sprudelnd weiter kochen. Deckel drauf und ca. 24 Stunden stehen lassen.

Das war es schon für den ersten Schritt.

Anna Hackman von Green Talk sagt, dass man den Saft durchaus über Nacht stehen lassen kann. Hier ist das Rezept, das sie verwendet. Die amerikanischen Cups sind sicher eher gewöhnungsbedürftig für Deutschsprachige. Ich würde jedenfalls empfehlen die reinen Blüten jedoch für dieses erste Mal kochen direkt zu verwenden, was nicht zu schwer sein dürfte. Es geht schnell.

Löwenzahn-Honig ist ein bisschen anders, wenn auch ähnlich. Dafür verwenden die meisten wohl nur die gelben Blüten ohne grüne Teile. In dem Rezept von kuechengoetter.de kann man lesen, dass es alternativ möglich ist statt Löwenzahnblüten die Spitzen der Tannenzapfen zu nehmen.

Und auf helpster.de fand ich einen Rezeptvorschlag mit Apfelstücken oder Apfelmus. Ein guter Hinweis von dort ist, wenn man die Löwenzahnblüten mit Obst mischt, Früchte mit nicht all zu intensivem Eigengeschmack zu nehmen, weil das den eher milden Löwenzahn zu sehr überdeckt.

In einem der diversen Rezepte auf chefkoch.de ist eine Variante 1 Liter locker in einem Becher gesammelten Löwenzahnblüten mit 1 Liter (naturtrüben) Apfelsaft zu kochen. Sicher eine Variante, die ich demnächst einmal testen werde.

Das von mir genutzte Rezept ist nachzulesen auf daskochrezept.de und eigentlich mit nur 100 g Löwenzahnblüten und 50 g Gänseblümchen. Da letztere aber wesentlich kleiner sind und in meinem Garten fast gar nicht wachsen, nehme ich 150 g Löwenzahn. Ich bin sicher, dass das Rezept mit anderen Blumen genau so gut funktioniert. Auf youtube schaute ich neulich beispielsweise ein ähnliches Rezept mit Rosenblättern an.

Das soweit erstmal. Den nächsten Schritt gibt es dann morgen, wenn auch ich meine Löwenzahn weiter verarbeitet habe.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Freitag, 17. April 2015

Und noch mehr Schmerzkontrolle

Liebe Leserinnen und Leser,

vermutlich bedingt durch meine Pollenallergie, hatte ich neulich Kopfschmerzen. Es war kein stechender Schmerz, wie ich ihn ab und an mal habe bei Kopfschmerzen. Wie ich mit solche Art Schmerz umgehe, hatte ich schon an anderer Stelle erklärt. Neulich aber kam mir das Bild von einem Raum in den Sinn, der etwas wie Sand auf dem Boden hatte. Eine größere Fläche, aber flach, kein Schmerz wie zum Beispiel eine Pyramide mit ihren vier Spitzen verursachen würde. Einen Raum mit Sand würde man fegen. Also stellte ich mir genau das vor. Tatsächlich half es und meine Kopfschmerzen verschwanden daraufhin sofort.

Eine andere Methode sah ich eher zufällig in der Mini-Serie „Wolf Hall“. Ein Junge war bei seinem Vater in der Schmiede und hatte sich geschnitten. Der Vater sagte, der Sohn sollte seine Hände so halten, und der Vater zeigte ihm wie. Nämlich Handinnenflächen zu sich gewandt und einen Unterarm über den anderen. Dann sollte der Sohn die Arme so halten und die Hände so in Wasser tauchen. Das Kreuzen der Arme würde das Gehirn verwirren. Eine interessante Methode, wie ich finde. Bei Gelegenheit werde ich sie bestimmt einmal ausprobieren.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Dienstag, 31. März 2015

M&M: Big Fish

Liebe Leserinnen und Leser,

stellt euch vor, euer Vater ist ein Egoist und Geschichtenerzähler. Er ist so egoistisch und ein solcher Geschichtenerzähler, dass er bei seiner Rede zu eurer Hochzeit, in fantastische Geschichten über sich und seine eigene Kindheit erzählt, statt etwas nettes über euch. Könnt ihr euch vorstellen, wie das wäre? Nun, falls die Antwort „ja“ lautet, habt ihr möglicherweise eine Ahnung davon, wie es Will Bloom (Billy Crudup) in dem Film „Big Fish“ aus dem Jahr 2003 während seiner Hochzeit erging. Die Konsequenz überrascht nicht sonderlich: Vater, Ed Bloom (Albert Finney) und Sohn reden nicht mehr miteinander oder kommunizieren höchstens über die Mutter, Sandra Bloom (Jessica Lange).

Bis an dem Tag, an dem die Mutter den Sohn anruft und mitteilt, dass der Vater im Sterben liegt und er doch noch einmal zur Versöhnung vorbeikommen sollte. Der Sohn fährt daraufhin tatsächlich zu seinen Eltern. Begleitet wird der Sohn von seiner Frau, Josephine (Marion Cotillard). Sie hat die Geschichten des Vaters noch nicht gehört und ist neugierig. So hat er noch einmal die Gelegenheit, seine Erlebnisse zu erzählen.

Den jüngeren erwachsenen Ed Bloom spielt Ewan McGregor, der Albert Finney als dem alten Ed Bloom erstaunlich ähnlich sieht. Was letztlich auch der Grund war, warum Ewan McGregor die Rolle bekam. Außerdem mit dabei ist Helena Bonham Carter in gleich drei Rollen: nämlich die junge und alte Jenny und als Hexe. Danny DeVito ist als Zirkusdirektor zu sehen und Steve Buscemi dürfte auch einigen Filmbegeisterten bekannt sein, um nur ein paar weitere Stars in diesem Film zu nennen.

Bei all den fantastischen und wunderbaren Abenteuern könnte man fast vergessen, warum der Sohn überhaupt beim Vater ist. Doch das Ende ist traurig wie komisch zugleich. Selbst nach seinem Tod ist die Geschichte des Vaters längst noch nicht ganz zu Ende erzählt.

Hinter jeder Geschichte steckt auch ein Teil Wahrheit. Wie viel Wahrheit das im Fall von Ed Bloom ist, müsst ihr selbst herausfinden, indem ihr den Film anschaut. Insgesamt würde ich sagen, dass der Film eine geschickte, gelungene Gratwanderung macht: das Leben von Ed Bloom ist nicht ganz normal, aber auch nicht völlig übertrieben abwegig. Dieser Film dürfte alle Menschen zurück versetzen, die selbst als Kind den Erzählungen der Eltern gerne zugehört haben oder Eltern, die ihren Kindern Geschichten erzählt haben und erzählen. Ich glaube, vor allem Ewan McGregor, der als junger Ed Bloom die Erlebnisse durchspielen durfte, hat mit Sicherheit viel Spaß gehabt bei diesem Film. Jedenfalls kommt das für mich so rüber, wenn ich den Film sehe, aber auch wenn ich mir die Extras ansehe und „behind the scenes“ und Ewan McGregor und andere Beteiligte des Films davon erzählen. Apropos beteiligt beim Film: die Filmmusik, wie bei (fast) allen Tim Burton Filmen lieferte Danny Elfman. Dieser Tim Burton Film setzt nicht so sehr auf Grusel, wie viele andere seiner Filme. Dafür ist er eine bunte Mischung vieler kleiner, meist witziger Geschichten in einem Film.
 Bis zum nächsten Blog,
sarah


Dienstag, 24. März 2015

Alltagshypnose

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt selbst unter Fachleuten immer wieder Diskussionen, was Hypnose ist und was Trance ist. Viele, auch Hypnotherapeuten, reden mit Klienten oder Neulingen davon jemanden „in Hypnose zu versetzen“. Ich selbst stimme eher Milton Erickson zu, der einmal schrieb, dass Trance ein Bewusstseinszustand ist und Hypnose der Weg oder die Methode dort hin. James Tripp wiederum ist bekannt für seine „hypnosis without trance“.

Ich glaube, in einem dürften sich die meisten Leute einig sein: nämlich dass dieser veränderte Bewusstseinszustand, ob wir ihn nun Trance oder Hypnose nennen, ein alltägliches Phänomen darstellt. Für diesen Bewusstseinszustand braucht es nicht einmal zwingend eine zweite Person und nicht unbedingt Worte. Im Folgenden möchte ich ein paar typische Beispiele beschreiben und was für ein Phänomen dahinter stecken.

Ein typisches Beispiel für Amnesie, also Gedächtnisverlust, ist wenn man von einem Ort zu einem anderen fährt und am Ziel angekommen, keine Erinnerung mehr daran hat, wie man dort hin gekommen ist. Ich meine nicht, dass man vergessen hätte, ob man mit dem Auto oder Bus gefahren ist, sondern Details über die Strecke oder Vorkommnisse auf dem Weg. Irrelevante Details werden ausgeblendet.

An einem Arbeitstag bei der Alzheimer Gesellschaft (ausgerechnet dort!) erlebte ich auch einmal, dass mehrere Kollegen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Raum kamen und obwohl nichts und niemand sie unterbrochen hatte in ihrer Handlung, kamen sie rein und stockten sofort mit einem verzweifelten Blick und der Frage: „Was wollte ich hier?“ Oder: „Warum bin ich hier?“ Obwohl die anderen Anwesenden sie nicht unterbrochen haben, hatte etwas oder jemand auf dem Weg sie in ihren ursprünglichen Gedanken gestört, die sie zu diesem Raum geführt hatten. Der ursprüngliche Gedanke war überdeckt von anderen und damit der Grund in den Raum zu kommen vergessen.

Die bereits im vorigen Eintrag erwähnte Augenfixation erfordert unbedingt eine glänzende Scheibe als Fixierpunkt, genau so wenig wie eine pendelnde Taschenuhr. Vor allem Kinder können ganz einfach durch eine brennende Kerze genau so gut in sich versinken. Ich selbst musste einmal bei einem Arzt über drei Stunden im Wartezimmer warten. Zeitschriften waren zwar ausgelegt und ich hatte auch ziemlich sicher ein Buch dabei, aber ich starrte nur auf die Wand gegenüber von mir und hoffte bloß inständig, dass ich noch genug anwesend war und schnell genug reagieren würde, wenn ich endlich einmal aufgerufen würde. Da ich mich bewusst nur wenig später wieder aus diesem Zustand heraus holte, verpasste ich meinen Aufruf tatsächlich nicht. Alles, was ich brauchte war einen Punkt und die Wand hatte nichts besonderes an sich, sie war schlicht weiß. Man wählt nur oft gerne einen leuchtenden oder glitzernden Punkt, weil dieser wohl eben durch die Helligkeit auffällig ist.

Immer wieder kann es auch passieren, dass wir einen blauen Fleck an uns entdecken, aber keine Erinnerung mehr daran haben, uns gestoßen zu haben. Das ist nichts anderes als Schmerzkontrolle, Anästhesie und damit Trance bzw. Hypnose. Das gilt auch für die Möglichkeiten der Schmerzkontrolle, die ich bereits in einem vorigen Eintrag erwähnt hatte, auch wenn ich in diesem Eintrag bewusst auf die Worte Trance und Hypnose verzichtete.

Zwei Phänomene sind bei Kindern sehr typisch und sollten, meiner Meinung nach, weil es sich um Kinder handelt, nicht all zu negativ oder böse gesehen werden. Das eine ist positiv halluzinieren: das heißt etwas zu sehen, was nicht real existiert. So wird beispielsweise immer wieder von Kindern berichtet, die „unsichtbare Freunde“ haben. Eine Umkehrung des Phänomens wäre das negativ Halluzinieren: besonders ärgerlich, wenn man zum Beispiel gerade wegfahren will und seine Hausschlüssel oder Autoschlüssel nicht findet, viele Male einen Tisch nach ihnen absucht und nach vielen vergeblichen Versuchen steht man nun wieder vor dem Tisch und plötzlich sind die Schlüssel ganz offen und deutlich sichtbar auf dem Tisch. Warum haben wir sie vorher nicht gesehen?

Doch das negativ Halluzinieren ist nicht nur beschränkt auf das Sehen. Zum Ärger der Eltern sind Kinder manchmal derart in ihrer Welt versunken, dass sie die Rufe der Eltern gar nicht hören. Das ist nicht unbedingt böswilliges Weghören, sondern kann auch einfach ein Zeichen sein, dass die Kinder so tief versunken sind in ihre Aktivitäten, dass alle Reize, die nicht unmittelbar zur Aktivität gehören ausgeblendet werden. Liebe Eltern: das ist ein normales Phänomen! In diesem Zusammenhang ist bei vermeintlich häufig trotzigen Kindern festzustellen, ob sie sich bewusst verweigern als Verhaltensproblem, Hörprobleme haben oder versunken in ihre Aktivitäten sind und dadurch nicht hören. Die Reformpädagogin Maria Montessori beschrieb das Phänomen von Kindern, die völlig versunken sind und wo andere deutlich laute Kinder diese sie in keiner Weise ablenkten oder störten. Soweit ich weiß hat Montessori dabei nie von Hypnose oder Trance geschrieben oder gesprochen. Wobei ich nur einige Grundprinzipien ihrer Gedanken im Studium kennen lernte. Den Begriff, den Montessori benutzte für diesen konzentrierten Bewusstseinszustand ist „flow“.

Buchliebhaber und Filmfans wissen, wie bei einem guten Buch oder Film sehr schnell Stunden vergehen können, die wie Minuten erscheinen. Zeitverzerrung ist auch ein typisches Trance- bzw. Hypnose-Phänomen. Leider nutzen wir dieses Phänomen oft nicht zu unseren Gunsten aus. Damit verfliegen schöne Momente viel zu schnell und Situationen, die wir am liebsten schnell hinter uns bringen wollen ziehen sich wie Kaugummi. Es gibt Möglichkeiten, die Wahrnehmung zu unseren Gunsten zu manipulieren. Nicht nur, dass uns warm sein kann, wenn es objektiv kalt ist oder umgekehrt, auch unsere Wahrnehmung der Zeit können wir bewusst beeinflussen. Wir müssen nur herausfinden, wie unsere individuelle Zeitwahrnehmung funktioniert und durch welch Faktoren sie beeinflusst wird.

Einer meiner Lieblingsphänomene ist die „Ampel-Trance“, wie ich sie nenne. Eine Reihe Autos steht an der roten Ampel. Alle starren auf die Ampel und wenn die Ampel umspringt ist unweigerlich immer mal auch ein Autofahrer dabei, der nicht umspringt. Das merken wir daran, dass ein Fahrer der hinteren Autos dann ungeduldig hupt. Auch hier ist die bereits erwähnte Augenfixation „Schuld“ daran.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig deutlich machen, dass Trance bzw. Hypnose etwas normales, sogar alltägliches ist. Oft benennen wir es nur nicht mit diesen Begriffen. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen weniger Angst vor den Begriffen und Phänomenen haben, die mit Trance und Hypnose verbunden sind. Leider denken noch heute viele, dass Hypnose etwas mit Kontrollverlust zu tun hat und man damit zum bösen Verbrecher wird oder bei Hypnose-Shows sich völlig lächerlich macht. Hypnose ist weitaus mehr als das. Vor allem ist es etwas völlig normales. Die von mir hier genannten Phänomene sind nur ein paar Beispiele. Vielleicht fallen euch selbst Situationen ein, die ihr erlebt habt. Wenn ihr sie mitteilen wollt, schreibt einen Kommentar. Ich würde mich freuen von euch zu lesen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Freitag, 20. März 2015

Was zur... Hypnose

Liebe Leserinnen und Leser,

Hypnose ist, wenn jemand eine Taschenuhr hin und her schwingt und zählt und auf dich einredet, dann kannst du irgendwann die Augen nicht mehr offen halten und schläfst. Das ist bestenfalls wie sich viele Show-Hypnose vorstellen.

Das hier sollte eigentlich ein Eintrag werden, um einige Hypnose-Menschen vorzustellen, vor allem Hypnotherapeuten, also Leuten, die Hypnose als Therapie anwenden, kombiniert mit ein bisschen Geschichte der Hypnose. Das war für Februar geplant. Wie ihr sehen könnt, habe ich daraufhin im Februar gar nichts geschrieben.

Die Wahrheit ist, dass ich fast keine Ahnung habe über die Geschichte von Hypnose. Ich habe zwei, drei allgemeine Bücher über Hypnose gelesen. Darin stand natürlich auch etwas zur Geschichte und Namen berühmter Leute aus vergangener Zeit. YouTube sei Dank konnte ich einige Hypnotiseure und Hypnotherapeuten in Interviews und bei Demonstrationen oder Seminaren sehen. Doch bis auf Dr. Milton Erickson kenne ich die meisten kaum mehr als mit Namen.

Hinzu kommt, dass ich in den letzten Monaten gemerkt habe, wie ich Dinge, die mir, sagen wir ein halbes Jahr vorher, noch vertraut waren, heute vergessen habe. Inklusive Begriffen, die ich zu der Zeit problemlos hätte erklären oder zumindest verwenden können. Werde ich alt? Oder werde ich wie Sherlock Holmes, der keine Ahnung hat, dass die Erde sich um die Sonne dreht, weil es irrelevant für sein Leben ist?

Hier ist, was ich weiß und euch gerne mitteilen möchte, ohne dass ich (meine) Bücher konsultieren müsste: meine Geschichte der Hypnose. (Geständnis: Ich habe zwar kein Buch benutzt, aber die Daten bei wikipedia nachgeschaut.)

Der Name, der oft genannt wird als quasi der Vater der Hypnose bzw. Hypnotherapie, ist Franz Anton Mesmer (1734-1815). Vor Jahren mochte ich den Schauspieler Alan Rickman sehr. Ich mag ihn noch heute, nur dass ich über aktuellere Projekte und Filme von ihm jetzt nicht mehr so vertraut bin wie vor einigen Jahren. 1994 hat er jedenfalls in dem Film „Mesmer“ eben jenen gespielt. Die Rahmenhandlung des Filmes ist eine Gerichtsverhandlung, der sich Mesmer stellen muss. Die Behandlungsmethoden dieses Arztes sind so ungewöhnlich für seine Zeit, dass er für viele ein Scharlatan sein muss. Deshalb steht er vor Gericht. Ich las später ein paar Bücher über Mesmer, um herauszufinden, was von der Geschichte im Film wirklich passiert war. Ohne es zu wissen, war das wohl meine Einstieg zur Hypnose und Hypnotherapie. Wobei Mesmer das, was er praktizierte nicht Hypnose nannte. Anfangs arbeitete er mit Magneten. In einem Buch las ich die Geschichte, dass er in einer Art Parade dabei war und gebeten wurde zu helfen, da kein anderer Arzt unmittelbar in der Nähe war. Er ließ sich zu der kranken Person führen und stellte erst dort fest, dass er seine Magnete in der Kutsche bei der Parade hatte liegen lassen. Wenn leblose Steine und Magnete helfen konnten und er, Mesmer doch ein warmes Lebewesen voll Energie ist, müsste es doch möglich sein, dass er durch Berührung und Streichen mit den Händen helfen könnte. Er konnte dann tatsächlich helfen, wobei er nach diesem Erlebnis auf die Magnete verzichtete. Er bezeichnete das, was er machte als „animalen Magnetismus“. Heute ist es auch als „Mesmerismus“ bekannt. Sein Name ist sogar zu einem Adjektiv im Englischen geworden als „mesmerising“ (um etwas zu beschreiben, was faszinierend, hypnotisierend ist).

Unabhängig von Mesmer damals, geht auch die chinesische Medizin von einer Energie aus, dem Chi oder Qi. Das Reiki ist bis heute eine praktizierte Methode, bei der die Hände zur Heilung genutzt werden.

Doch Mesmer war nicht ganz der Anfang. Schon die Ägypter und Griechen kannten Schlaftempel. Priester, die zu der Zeit auch als Ärzte fungierten, heilten durch Rieten und indem sie die Kranken in einen heilenden Schlaf versetzten von vielen verschiedenen Krankheiten.

Die Wunderheilungen von Jesus, seinen Jüngern und den frühen Christen dürften größtenteils genau so auf Hypnose zurückzuführen sein. Handauflegungen und Fixierung der Augen (Fixation) z. B. durch eine glänzende Metallscheibe, sind dabei typische Praktiken.

Ein weiterer bekannter Chirurg, den man kennen sollte ist der Schotte James Braid (1795-1860). Auch er beschäftigte sich mit Magnetismus und prägte den Begriff „Neurypnology“ (Neurohypnotismus), also immer noch nicht „Hypnose“ als Begriff. Zur Zeit von Braid steckte die Anästhesie noch in den Kinderschuhen. Sein Buch heißt: Neurypnology; Or, the Rationale of Nervous Sleep Considered in Relation with Animal Magnetism

James Esdaile (1808–1859) wiederum erinnert mich ein wenig an Erickson. Esdaile litt an Asthma und zog von Großbritannien nach Indien, in der Hoffnung, dass ihm das Klima dort besser bekäme. Erickson ließ sich nach einem Fahrradunfall impfen, bekam allerdings von der Impfung einen anaphylaktischen Schock, an dem er fast starb und in dessen Folgen er Allergien entwickelte. Er zog daraufhin nach Phoenix, Arzizona. Es sollte jedenfalls nicht groß wundern, dass Esdailes Buchtitel lautet: Mesmerism in India and Its Practical Application in Surgery and Medicine.

Ein weiterer Arzt, der erwähnt werden sollte ist der Psychiater und Neurologe Hippolyte Bernheim (1840-1919), der sich mit der Wirkung von Suggestionen beschäftigte. Suggestionen sind ein wichtiger Aspekt bei Hypnose und in der Hypnotherapie. Entsprechend war seine Therapieform die „suggestive Therapie“, über die er auch mehrere Bücher schrieb, zum Beispiel: Über die Suggestion und ihre Anwendung in der Therapie.

Der sogenannte russische Wunderheiler Rasputin (1869-1916) hat übrigens auch Hypnose angewendet, vor allem um den Zarensohn zu helfen, wenn er wieder Blutungen hatte. Von Wunderheilungen im Bezug auf den Zarensohn zu sprechen, halte ich allerdings für unangebracht. Denn geheilt hat Rasputin ihn von der Bluterkrankheit (Hämophilie) nicht. Er hat lediglich die Blutungen gestoppt. Mehr über Rasputin in einem späteren Eintrag.

Was viele sicher nicht wissen: bevor Sigmund Freud (1856-1939) seine Psychoanalyse entwickelte, studierte er bei dem Neurologen Jean-Martin Charcot (1825-1893) und wandte Hypnose an. Später wendete er sich von er Hypnose ab. Sicherlich teils, um sich seinen eigenen Ideen und der Psychoanalyse zu widmen. Zum Teil könnte ich mir auch vorstellen, dass ihm Nähe zu Klienten und evtl. diese zu berühren nicht gefiel, wo doch gerade ein Aspekt der Psychoanalyse ist, dass man Abstand hält und so wenig wie möglich eingreift.

Wenn ich ausführlicher schreiben sollte, könnte ich ein Buch schreiben und müsste doch mehr nachschauen. Für heute soll es mit den genannten Personen erst einmal genug sein. Sollten Hypnotiseure und Hypnotherapeuten oder Hypnose-Enthusiasten diesen Eintrag lesen, würde ich mich über ergänzende Namen und Anmerkungen freuen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah