Der Titel wirkt offen und gerade heraus, worum es geht, eine typische Geistergeschichte, aber das ist "A Ghost Story" aus dem Jahr 2017 ganz und gar nicht. Geschrieben hat die Geschichte David Lowery, der auch Regie führte.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen Paares (Rooney Mara und Casey Affleck), das in einem kleinen Haus lebt. Die Frau würde gerne ausziehen, aber der Mann möchte nicht. Er mag die Geschichte des Hauses, sagt er ihr. Sie erzählt ihm, dass sie als Kind viel umgezogen ist und jedes Mal einen kleinen Zettel beschriftet und in einer Ritze vom Haus versteckt, damit falls sie noch einmal wieder käme, etwas auf sie dort warten würde. Kurz bevor sie doch ausziehen, stirbt der Mann durch einen Autounfall. Die Frau sieht sich den toten Mann noch ein letztes Mal im Krankenhaus an und deckt ihn schließlich mit dem Laken ganz zu. Nachdem sie gegangen ist, wird der Körper unter dem Laken lebendig. Er ist ein Geist geworden. Bedeckt durch das Laken geht er erst durch das Krankenhaus und schließlich zurück zu seinem Haus, an das er scheinbar gebunden ist und nicht weg kann.
Er beobachtet seine trauernde Frau. Es ist irgendwie ein wenig belustigend und doch traurig, den Geist mit seinem Laken zu sehen, wenn er im Raum steht oder sitzt, sich kaum oder gar nicht bewegt. Als der Geist eines Tages aus dem Fenster schaut, sieht er im Nachbarhaus ebenfalls einen Geist am Fenster stehen. Sie reden kurz.
Mit der Zeit findet die Frau einen neuen Partner und zieht aus. Einer der wenigen Momente im Film, die etwas gruselig und typisch Poltergeist werden, als der Geist wütend (oder ist es neidisch?) wird. Normalerweise würden wir uns in solchen Momenten in Filmen gruseln. Hier hat die Szene eher etwas bitter süßes. Wie sie ihrem Partner vorher erzählt hat, versteckt die Frau auch jetzt einen beschrifteten Zettel in einer Ritze im Haus.
Eine Mutter zieht mit ihren zwei Kindern ein. Sie feiern Weihnachten. Doch mit dem Geist kommen sie nicht klar und nach einem weiteren Wutanfall des Geistes, bei dem Teller an die Wand fliegen, zieht die Familie wieder aus.
Schließlich wird das Haus platt gemacht. Der "Nachbargeist" ist bereit zu gehen. Nur "unser" Geist bleibt und ist auch immer noch dort, als statt des kleinen Hauses ein Hochhaus mit Büroräumen entstanden ist. Nachdem der Geist sich verzweifelt vom Hochhaus stürzt, findet er sich im 19. Jahrhundert wieder. Eine Familie von Siedlern möchte ein Haus bauen. Das Mädchen der Familie beschriftet einen kleinen Zettel, legt diesen auf den Boden und legt einen Stein darauf. Die Familie wird von amerikanischen Ureinwohnern getötet. Der Geist bleibt bei der Familie und sieht zu, wie der Körper des Mädchens nur noch Knochen sind.
Ob der Geist am Ende seinen Frieden findet und wie der Film aus geht, müsst ihr selbst anschauen. Ein Film mit dem Titel "A Ghost Story" würden Leute, die Horrorfilme nicht mögen sicher erst einmal meiden. Ich kann ihn aber wirklich jedem wärmstens empfehlen. Der Film ist überhaupt kein Gruselfilm und die beiden Momente, die Poltergeist-ähnlich werden, sind bereits oben erwähnt. Gruseliger wird es nicht. Statt dessen beeindruckt der Film durch seine ruhige Art, nicht zuletzt durch kaum Dialog, langen Szenen ohne Schnitt oder Kamerabewegung und einem sehr schönen Soundtrack von Daniel Hart. Außerdem ist der Film im Format 1.33 : 1, statt des üblichen 2.35 : 1. Das heißt, dass links und rechts schwarze Balken sind. Außerdem sind die Ecken rund, was dem Film insgesamt eine ganz eigene Atmosphäre gibt.
Ich kam erst neulich zufällig auf den Film, weil ich den Titel irgendwo im Internet in einer Liste von Filmen gelesen hatte. Sicherlich werde ich mir in nächster Zeit noch weitere Filme von David Lowery ansehen, nachdem mir jetzt "A Ghost Story" wirklich gut gefallen hat.
["Ain't Them Bodies Saints" (The Saints - Sie kannten kein Gesetz) ist ein weiterer Film von David Lowery, wieder spielen Rooney Mara und Casey Affleck mit und ja, Daniel Hart komponierte auch hier die Musik. Hab den Film noch nicht gesehen. Vielleicht sehe und bespreche ich ihn aber bald.]
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Samstag, 30. Juni 2018
M&M: A Ghost Story
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Samstag, 31. Oktober 2015
M&M: The Devil's Backbone
Liebe Leserinnen und Leser,
The Devil's Backbone aus dem Jahr 2001 ist ein weiterer toller Film von Guillermo del Toro. Er ist im Grunde sowas wie der erste Teil von Pans Labyrinth, den ich bereits besprochen habe. Ich habe zuerst Pans Labyrinth gesehen und daher die „umgekehrte“ Besprechung, auch wenn The Devil's Backbone davor kommt. Während Pans Labyrinth kurz nach Ende des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) angesiedelt ist, spielt The Devil's Backbone während des spanischen Bürgerkriegs.
Der Film erzählt die Geschichte von Carlos, der in ein Waisenhaus kommt, dass fern ab von der Stadt liegt. Er freundet sich mit einigen Jungen an und erfährt, dass es einen Geist geben soll, der in dem Waisenhaus spukt. Geleitet wird das Haus von Dr. Casares und Carmen. Beide sympathisieren mit den Republikanern und bunkern Gold für die Republikaner. Der Angestellte Jacinto ist in dem Waisenhaus aufgewachsen und hinter dem Gold her.
Im Verlauf des Films erfährt man, dass Jacinto bereits einmal das Gold an sich nehmen wollte, aber dabei von einem Jungen, Santi, überrascht wurde. Jacinto schubste Santi so heftig, dass dieser fiel und sich am Kopf schwer verletzte. Um diesen Vorfall zu vertuschen, beschwerte Jacinto Steine am Körper des sterbenden Jungen und warf ihn in ein Versorgungsbecken im Haus. Seither spukt Santi als Geist im Waisenhaus.
Als der Krieg auch dem Waisenhaus näher kommt, beschließen Dr. Casares und Carmen mit den Kindern und dem Gold das Waisenhaus zu verlassen. Jacinto, der das Gold wieder an sich reißen wollte, wurde kurz vorher aus dem Waisenhaus gejagt. Er kommt aber wieder und will sich rächen, indem er in der Küche mit Benzin einen Brand legt. Es kommt zu einer heftigen Explosion, bei der Carmen und einige Kinder sterben. Auch Dr. Casares ist schwer verletzt und stirbt wenig später.
Jacinto kommt am nächsten Tag für das Gold wieder. Aber die überlebenden Kinder beweisen, ähnlich wie in Pans Labyrinth unglaublichen Mut und Einfallsreichtum und setzen sich gegen den Erwachsenen zur Wehr. Wie und ob es ihnen gelingt, das müsst ihr selbst sehen.
Ähnlich wie auch in Pans Labyrinth ist The Devil's Backbone visuell von den Bildern her sehr schön gestaltet, finde ich. Obwohl Santi als Geist im Waisenhaus ist, würde ich The Devil's Backbone nicht als Geister-Film bezeichnen. Es ist, so seltsam es klingen mag, für mich eher ein Film mit einem Geist, als ein Geister-Film. Der Geist hat von seiner Gestalt eher etwas von einem Zombie mit langsamen, unbeholfen wirkenden Bewegungen. Er hat wenig von den sonst typisch für Geistern hellen Durchsichtigkeit, sondern ist dunkel gehalten und Blut kommt noch immer in Form einer Art Dampfwolke aus seinem Kopf. Obwohl er ein Geist ist und damit keine feste Gestalt, also theoretisch nicht verletzen könnte, strahlt er vom Aussehen und der Art zunächst etwas unheimliches und bedrohliches aus. Erst als deutlich wird, dass er im Grunde nicht böse ist, ändert sich das. Ein erfrischend anderer Geist, als ich es sonst gewohnt bin. Überhaupt: wer oder was ist ein Geist? Was ist ein Geist auch außerhalb der traditionellen Vorstellung in Literatur oder Film? Das ist eine Frage, um die es in The Devil's Backbone geht.
The Devil's Backbone ist insgesamt ein eher ruhiger Horror-Film und setzt mehr auf Atmosphäre als Effekte. Freunde von Blutlachen und Slasher-Filmen dürften hier eher enttäuscht werden. Der sehr reale Horror kommt hier nicht vom Geist, sondern von einzelnen Erwachsenen und durch den Krieg. In ähnlicher Weise ist das später auch in Pans Labyrinth zu sehen.
Um beim Thema des Films zu bleiben: welche Bedeutung hat für euch ein Geist? Schreibt es mir in den Kommentaren, wenn ihr wollt.
Bis zum nächsten Blog,
sarah
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